Hineingeschaut

Hineingeschaut – Die Fördervereine

Als ich vor etwas über drei Wochen sah, wie hoch oben auf einem riesigen Steiger die Decke unserer Kirche gemalert wurde und hörte, dass uns dieses Verfahren gegenüber einem Gerüstbau eine Menge Kosten erspart hat, kam mir der Gedanke, im Archiv einmal genauer danach zu suchen, wie man im Laufe der Zeit in Lichtenrade auf die finanziellen Herausforderungen des Gemeindelebens reagiert hat. Wie war das eigentlich um 1912, als die Stephanus-Kapelle geweiht wurde, und in den Jahren danach?

 

Schon 1910 wurde ein „Katholischer Verein von Lichtenrade und Umgegend“ gegründet.

 

§ 2.

Der Zweck des Vereins ist die Sammlung der Katholiken (auch Frauen) zur Förderung religiöser Interessen und Aufbringung von Mitteln zu gottesdienstlichen Zwecken.

 

heißt es in den Statuten vom 19. Januar 1910. Mitglied konnten alle Katholiken ab dem 16. Lebensjahr werden, der Mitgliedsbeitrag war freigestellt, betrug aber mindestens 10 Pfennig im Monat. Vorsitzender, Schriftführer und Kassierer bildeten den Vorstand, der jeweils zuständige Geistliche war Ehrenpräses. Getagt wurde am ersten Montag im Monat. Der Verein kümmerte sich zunächst besonders darum, Gelder für die Bezahlung der Geistlichen zu sammeln, die in Lichtenrade Gottesdienste hielten und Religionsunterricht erteilten, denn von der zuständigen Pfarrei Herz Jesu Tempelhof konnten nur alle 14 Tage Geistliche nach Lichtenrade kommen.

 

Nach der Einweihung der Stephanus-Kapelle verfasste Pfarrer Innocenz von Strombeck 1913 einen Brief (an 6.000 Adressaten!) und bat um Spenden für einen Kirchbau. Er wandte sich auch erneut an die Fürstbischöfliche Delegatur. Der Architekt Carl Kühn hatte einen Kirchbau entworfen und man hoffte nun auf finanzielle Unterstützung. Doch die Antwort von Dr. Kleineidam, dem Delegaten, war abschlägig: Man habe doch gerade erst die Stephanus-Kapelle eröffnet und könne ja einstweilen einen Kirchbau-Sammelverein gründen. Es musste also alles beim Alten bleiben. Der Verein nannte sich nun St. Stephanus Verein und stellte Gelder zur Verfügung, wo immer es ging. Wann er aufgelöst wurde, konnte ich bislang in unseren Unterlagen nicht finden.

 

Nach der Benediktion der Salvatorkirche 1933, wurde die Ausstattung (Marienaltar, Glocken, u. a.) weitgehend durch zweckgebundene Kollekten unterstützt.

 

1955 wurde in einer großen Spendenaktion für den Erweiterungsbau gesammelt. Das Foto zeigt die dafür herausgegebene Sammelkarte.

 

Als 1976 das Gemeindehaus erweitert wurde, gab man die Kosten für Stühle, Tische und Einbauschränke bekannt, so dass ganz konkret dafür gespendet werden konnte.

 

1983 wurden bei der Erweiterung unserer Orgel ausgebaute Orgelpfeifen verkauft, um die Kirchenmusik zu unterstützen.

Als fast 10 Jahre nach dem Gemeindehausbau immer noch Schulden auf der Gemeinde lasteten, kam es am 16. Juli 1984 zur Gründung unseres Baufördervereins.

 

2004 folgte dann die Gründung der „Aktion Gemeinde sind wir!“, denn inzwischen hatte sich die Lage nicht nur bei den Baumitteln, sondern auch bei der Finanzierung der Personalstellen dramatisch verschlechtert. Heute trägt der Verein die Kosten für unsere Pfarrsekretärin und unseren Küster.

 

Vor 2 Jahren wurde unsere Orgel saniert. Die Spenden aus der großen Orgel-Patenschaften-Aktion konnten einen Teil der Kosten decken.

 

Bis zum nächsten „Hineingeschaut“!

 

Ihre/Eure Regina Mahlke, Chronistin