Hineingeschaut

Hineingeschaut – Christophorus

Am 24. Juli, kommenden Freitag, ist der Gedenktag des Heiligen Christophorus. Wenig ist über ihn und sein Leben bekannt. Wahrscheinlich war er um etwa 250 herum ein Martyrer in Kleinasien. Nachdem 454 eine Kirche in Chalcedon, dem Ort des 4. Ökumenischen Konzils und heute Stadtteil von Istanbul, nach ihm benannt wurde, bildete sich jedoch schnell eine Vielzahl von Legenden.

Die bei uns sicherlich bekannteste ist die aus dem Südalpengebiet stammende des Riesen, der Pilger über einen reißenden Fluss trägt, darunter auch ein Kind, das sich ihm als Christus offenbart. Christ offerus = der, der Christus dient oder trägt, wurde die lateinische Form seines Namens gedeutet.

In der Ostkirche wird er als Patron gegen Dürre, Hagel, Unwetter und Krankheiten angerufen und ist Patron der Ärzte. Im Westen gehört er zu den 14 Nothelfern und ist u. a. Patron der Pilger, Schiffer, Fuhrleute, Gärtner, Zimmerleute, Buchbinder und gegen Unfälle und Krankheiten. Seit dem 20. Jahrhundert ist er auch Patron des modernen Verkehrs.

 

Als im April 1955 die neue Eingangshalle des Kinderkrankenhauses eingeweiht wurde, erhielt das Haus, 22 Jahre nach seiner Gründung, einen eigenen Namen, nämlich den des Christophorus:

 

„Christophorus = Christusträger, der als leuchtendes Symbol den Dienst aller kennzeichnet, die in diesem Hause wirken. Vielen Menschen der Weltstadt ist er ein fremder, nie gehörter Name, der sie aufhorchen läßt, so dass sie nach seiner Bedeutung fragen. In großer blauer Leuchtschrift strahlt er über dem Hauptportal – zu Füßen des segnenden Jesuskindes – zur Abend- und Nachtzeit.“ (S. 27 = 96)

 

heißt es dazu in der Chronik der Heiligenstädter Schulschwestern, die das Krankenhaus leiteten.

 

Im Innern des Hauses wurde ein großes Mosaik angebracht, das den Namenspatron zeigt. Ende Dezember 1954 hatten, so findet man im Archiv der Firma Puhl & Wagner, das die Berlinische Galerie verwahrt, Pfarrer Lütkehaus und Chefarzt Dr. Keller mit der Firma die Pläne dafür besprochen. Dem Pfarrer schwebte eine Darstellung vor, die den Heiligen als Mann im mittleren Alter zeigt, nicht wie sonst oft üblich, als alten Mann. Mit der Ausführung wurde Götz Loepelmann (1930 – 2017) beauftragt, ein Maler und Designer, später auch Bühnenbildner, der zu dieser Zeit nach gerade beendetem Studium in Berlin als freischaffender Künstler tätig war. Die abgebildete Schwarz-Weiß-Fotografie stammt aus unserer Chronik, doch man kann sich das Original im Eingangsbereich zur Edith-Stein-Bibliothek, der Stadtteilbibliothek, die sich derzeit noch im Hause befindet, auch heute noch ansehen.

 

Bis zum nächsten „Hineingeschaut“!

 

Ihre/Eure Regina Mahlke, Chronistin