Aktuelle Meldung

Tagesimpuls 30.03.2020

Liebe Gemeindemitglieder,

der Text des Evangeliums, der gestern, am fünften Fastensonntag, in den Gottesdiensten verkündet wurde, ist aus dem Johannesevangelium. Darin wird beschrieben, dass Martha und Maria Jesus baten zu ihnen zu kommen, da sein Freund Lazarus krank ist. Jesus macht sich auf den Weg zu Lazarus und seinen Schwestern Maria und Martha. Als er ankommt ist Lazarus tot. Martha gibt Jesus zu verstehen, dass es zu spät ist, es hat keinen Zweck mehr, Lazarus liegt schon drei Tage im Grab, lasst den Stein vor dem Grab liegen. Jesus spricht dann von seinem Vater im Himmel und vom Glauben an ihn. In diesem Glauben weckt er Lazarus von den Toten auf. (Joh 11,3-45)

Wie Maria und Martha damals machen auch wir gerade die Erfahrung von Hilflosigkeit. Die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, ist heute unmöglich. Über vierhundert Menschen sind in Deutschland an der Viruserkrankung gestorben, in Italien sind es über zehntausend Menschen. Das Virus rollt wie eine Lawine nicht nur über unser Land, sondern aktuell über viele Länder der Erde.

Ende letzter Woche erhielt ich im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit eine Anfrage einer Presseagentur zur aktuellen Lage in der Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland. Einige der Fragen waren: Kann die Palliativversorgung auf den Intensivstationen und anderen Stationen sichergestellt werden, wenn künftig Patienten nicht beatmet werden, weil es zu wenige Beatmungsplätze gibt? Haben alle Ärzte und Pflegekräfte das entsprechende Know-how? Oder werden sie entsprechend über die wichtigsten Maßgaben informiert?

Meine Antwort war sinngemäß, dass man diese Fragen jetzt nicht oder nur zum Teil beantworten kann. Niemand kann genau vorhersagen, was in zwei oder drei Wochen sein wird, aber ich bin überzeugt, dass alle Mitarbeitenden in den Pflegediensten, Krankenhäusern, Pflegeheimen und Hospizen alles ihnen Mögliche heute schon tun und tun werden, damit möglichst alle Betroffenen eine gute Versorgung erhalten. Und dieses entschiedene Handeln der Mitarbeitenden im Gesundheitswesen gibt Hoffnung. Dieses Handeln nimmt den Stein weg vom Grab der Hoffnungslosigkeit und der Hilflosigkeit und ermöglicht Leben.

In den letzten Tagen wurden mehrere schwerstkranke Menschen aus anderen Ländern in Krankenhäusern in unserem Land aufgenommen. Fliegende Intensivstationen der Bundeswehr haben sie nach Deutschland gebracht. Auch auf diese Weise wurde der Stein vom Grab des sicheren Todes der Betroffenen weggenommen und es wird ihnen, so hoffe ich, das Überleben ermöglicht.

Steine der Hoffnungslosigkeit und der Verzweiflung werden aus dem Weg geräumt. Der lebendige Geist Gottes bewegt dazu. Diesen Glauben und diese Hoffnung können wir als Christen heute haben und können diese Hoffnung anderen anbieten als Halt und Orientierung.

Mögen alle, die sich um andere Sorgen und für sie da sind, unter dem Schutz Gottes und seinem Segen geborgen sein, wie man den Segensspruch über der Tür auf dem Bild übersetzen kann: 

Der Herr schütze Dich, wenn Du Dich auf den Weg machst, um anderen zu helfen, und wenn Du wieder nach Hause kommst, um Pause zu machen und um bei Deinen Lieben zu sein.

 

Bleibt auch Ihr unter dem Schutz-Schirm Gottes geborgen!

Ihr und Euer Diakon
Benno Bolze