Meldung

Tagesimpuls 25.03.2020

Wann immer...

 

Heute ist ein schöner Tag, denn mein Patenkind Laura wird 8 Jahre alt. Da sie in Bayern lebt, hätte ich sie höchstwahrscheinlich heute nicht besucht. Doch ich spüre, dass ich gerade jetzt, wo ich sie nicht besuchen darf, dass Bedürfnis nach einem Besuch sehr groß ist. Ich möchte sie in den Arm nehmen und ihr ganz persönlich gratulieren! Tja, geht nicht – doch das ist ja nur meine vielleicht auch etwas egoistische Sicht auf die Dinge.

 

Die weit interessantere Frage ist doch die: Wie wird sich Laura fühlen? Der erste Geburtstag in Isolation. Der erste Geburtstag mit Mama, Papa und Miezi. Aber keine beste Freundin, die klingelt. Kein Lied von den Klassenkameraden in der Schule. Kein typischer Kindergeburtstag mit allem was ein Kinderherz begehrt. Ich hoffe dafür ist der Briefkasten umso voller. Es tut mir leid für Laura – ich möchte sie unbedingt wissen lassen, dass ihr Geburtstag jeden anderen Tag nachgefeiert werden kann und dann kann sie doch für einen Tag die Geburtstagskönigin sein. Vielleicht tröstet es ein wenig.

 

Fühlt sich Gott auch so allein, wenn wir ihn nicht besuchen, obwohl wir es könnten? Jetzt wo unsere Kirche den ganzen Tag verschlossen ist, wie fühlt ER sich? Fühlt er sich einsam und allein? Mir geht es erst langsam so, dass ich Sehnsucht nach einer Kirche habe. Letzten Donnerstag hatte ich eine Art schlechtes Gewissen nicht pünktlich um 9 Uhr in Salvator auf meinem Platz in der 5. Kirchenbank zu sitzen. Es war ein komisches Gefühl und ich habe etwas vermisst. Das ist auch heute so. Im täglichen Alltag mit allen Verpflichtungen verspüre ich diese Sehnsucht nicht, doch jetzt wo ich nicht darf, möchte ich. Ich denke es liegt in der Natur des Menschen, etwas zu wollen, was man nicht haben kann. Das lehren uns schon die 10 Gebote. Auch dort werden wir aufgefordert, nicht des anderen Hab und Gut zu begehren.

 

Diese Zeit lehrt uns unseren eigenen Glauben auf die Probe zu stellen. Wie kreativ kann ich sein Gott jetzt in meinem Leben zu begegnen? Kann ich meine Glaubensroutine unterbrechen und Gott rufen, bitten und loben, wann immer ich möchte. Unabhängig von einer Zeit und einem Ort. Abhängig aber von einem festen Willen IHN zu besuchen und IHN zu umarmen.

 

Seien wir dankbar, dass ER uns umgibt, zu jeder Tageszeit und wo immer wir auch sind. Seien wir demütig, dass er uns dennoch nicht vergisst, auch wenn wir nicht zu IHM kommen, wenn wir es doch könnten.

 

Anja Schmidt

Gemeindeassistentin