Meldung

Tagesimpuls 24.03.2020

Auf oder zu?

 

Liebe Gemeindemitglieder,

 

für die Eucharistiefeier am Montag der dritten Fastenwoche ist in jedem Jahr ein Text aus dem vierten Kapitel des Lukasevangeliums vorgesehen. Darin steht, dass es in Israel in den Tagen des Elija viele Witwen gab, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam. Aber nur zu einer Witwe wurde Elija gesandt. Und es gab viele Aussätzige zur Zeit des Propheten Elischa. Aber nur einer wurde geheilt (Lk 4,24-30).

 

Beim Lesen des Textes in Vorbereitung der Eucharistiefeier am letzten Montag im Sankt Gertrauden-Krankenhaus, wo ich wochentags den Dienst als Diakon übernehme, stellte sich mir die Frage. Sind wir gerade in einer ähnlichen Situation, ist der Himmel zu?

Die Zahl der durch das Corona-Virus erkrankten Menschen steigt rasant, exponentiell, sagen die Fachleute. Die Bilder der vielen Toten vor allem in China und Italien sind erschütternd.

Viele Menschen brauchen Hilfe, nicht alle werden gerettet. Wie lange wird es dauern bis die akute Krise und ihre Folgen einigermaßen überstanden sind, Monate ein halbes Jahr, drei Jahre und sechs Monate oder noch länger? Die Frage, wie lange es dauern wird, beschäftigt uns alle. Eine Antwort auf diese Frage würde es leichter machen, die Einschränkungen zu ertragen, mit denen wir leben müssen: zuerst nur Abstand halten zu meinem Nächsten und seit dem Wochenende das Kontaktverbot. Auch das Gemeindeleben ist eingeschränkt. Die Feier der Eucharistie, die Quelle und Höhepunkt unseres Glaubens ist, und der Empfang der Kommunion ist kaum bzw. nicht möglich. Die Tür zu diesem Stück des Himmels auf Erden ist zu und das bedrückt die Menschen. Hinzu kommt die Frage, ob man selbst infiziert ist und ob man die Krankheit übersteht. Dies beschäftigt gerade auch die älteren und kranken Gemeindemitglieder. Antworten hat auf diese Fragen heute niemand oder nur zum Teil.

 

Ist der Himmel zu? Wir machen die Erfahrung von Hilflosigkeit. Aber neben dieser Erfahrung erleben wir Zeichen der Hoffnung und des konkreten Handelns: die große Anzahl der Mitarbeiter*innen in den Gesundheitsberufen, die über ihre Grenzen hinaus helfen, um Menschenleben zu retten, die Verantwortlichen in der Politik, die für einen Rettungsschirm sorgen, dass auch Firmen und Betriebe überleben und so soziale Not gelindert wird, die gute Nachricht am Wochenende aus dem Bundesgesundheitsministerium, dass die erste große Lieferung der Schutzkleidung in diesen Tagen getroffen ist, und weiterhin die vielen nachbarschaftlichen Aktivitäten, Menschen, die aufeinander achten, und nicht zuletzt die Verkäufer*innen in den Supermärkten.

 

Für mich sind das eindeutige Zeichen, dass der Himmel nicht zu ist. Vielleicht ist er nicht so weit offen wie sonst, aber er ist offen. Gottes lebendiger Geist bewegt die Menschen, gerade auch in schweren Zeiten füreinander da zu sein, so wie Christus es uns selbst zugesagt hat: Ich bin bei Euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Bleibt unter diesem Rettungsschirm Gottes geborgen!

 

Ihr und Euer Diakon

Benno Bolze