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Tagesimpuls 23.03.2020

Das Leben ist nicht grau

 

Das Leben ist nicht grau, wir sind nur farbenblind“ so singt mein Lieblingssänger Alexander Knappe in einem seiner Lieder. Ich mag das Lied, aber noch mehr mag ich seine Botschaft. Jetzt wo mein Büro sich an den Küchentisch verlagert hat, suche ich die bunten Punkte in meinem Leben. Mir fehlt das Klappern der Tür im Pfarrhaus und auch der Salvator-Garten mit seinem erblühenden Leben direkt vor dem Bürofenster.  Das Witzige daran, das Bunte und damit meine Verbindung nach draußen liegt aber direkt vor mir: Mein grüner Füller. Ich habe ihn von meiner Freundin zu Beginn meines Studiums geschenkt bekommen. Ich nutze ihn noch immer viel für meine Arbeit. Jetzt kann ich ihn doch nutzen, um eben dieser Freundin einen Brief zu schreiben. Die Aufgabe gefällt mir.

 

Seit mehr als 15 Jahren habe ich eine Brieffreundin in Österreich. Ich habe sie noch nie live gesehen, sie ist dennoch eine meiner besten Freundinnen, die mich in allen Lebenslagen begleitet hat und das auch weiter tun wird. Da bin ich mir sicher. In den Jahren hat sich unsere Kommunikation vom Briefe schreiben auf What's App verschoben. Manchmal bedauere ich das, aber ich freue mich auch über ihre vermeintlich schnelle Antwort.

 

Doch ist es das immer? Muss es schnell gehen? Habe ich verlernt zu warten? Habe ich auch verlernt auf IHN zu warten? Ich denke schon. Das Heute sagt mir das zumindest. Auf meinem Handy ploppen in regelmäßiger Abfolge Nachrichten, e-Mails und Terminerinnerungen auf. Alle möchten beachtet und vor allen Dingen möglichst schnell beantwortet werden. So bin ich ungeduldig mit Gott geworden. Das merke ich zur Zeit noch viel stärker. Ich möchte, dass er meine Gebete erhört und erfüllt – sofort! Ich möchte gehört werden und ich möchte seine Antwort nicht erst in 4 Wochen sondern eben jetzt! Spätestens morgen! Ich bin ungeduldig.

 

Ungeduld war schon als kleines Kind meine Schwäche. Doch in den letzten Tagen musste ich mich viel in Geduld üben. Warten auf den nächsten Kaffee mit meiner besten Freundin, warten auf zwei Minuten Ruhe im Haus, warten auf erfreuliche Nachrichten, warten auf einen Gottesdienst via YouTube.

 

Ich habe gemerkt, dass das mein Part in der Geschichte ist – Geduld und mein stetiges treues Gebet. Ich muss lernen wieder zu warten und IHM die Zeit zu geben mir zu antworten. So ist das auch mit der Post. Ich schreibe jetzt keine SMS, sondern einen Brief mit meinem grünen Füller an meine liebe Freundin in Österreich und erwarte freudig ihre Antwort.

 

Anja Schmidt

Gemeindeassistentin