Hineingeschaut

Hineingeschaut – Kerzenleuchter

Salvator 30. 9. 2021
Bestandsanzeige Metallabgabe 14. 1. 1943 - Katholische Kirchengemeinde Salvator Lichtenrade, Archiv
Schreiben Bischöfl. Ordinariat an Salvator-Lichtenrade, schützenswertes Kulturgut 15.12.1943 - Katholische Kirchengemeinde Salvator Lichtenrade, Archiv

Als vor einigen Wochen ein Inventar unserer Kirche erstellt werden musste, sollten darin auch unsere Kerzenleuchter aufgezählt werden und ich erinnerte mich daran, in einem Schreiben des Bischöflichen Ordinariats aus den vierziger Jahren auch etwas über Leuchter und Ewiges Licht gelesen zu haben. Bevor ich dem nachging, fragte ich mich aber angesichts der großen Zahl an unterschiedlichen Leuchtern, die sich in unserer Salvatorkirche befinden, was es überhaupt mit dem Licht in einer Kirche auf sich hat.

Seit wann verwendet man Kerzen am Altar, gibt es Vorschriften, wie viele dort stehen sollen, wo genau stehen sie überhaupt? Aus welchem Material sind die Kerzenständer, braucht man sie nur als Lichtquelle oder haben sie eine liturgische Funktion, eine symbolische Bedeutung?

Schon früh gibt es Hinweise, dass die Altäre während der Gottesdienste beleuchtet waren, doch erst in der Mitte des 11. Jahrhunderts begann man, die Leuchter nicht mehr vor, neben oder hinter dem Altar zu platzieren, sondern auf ihm. Ob vor allem praktische Gründe dazu führten – etwa die relativ dunklen mittelalterlichen Kirchen – oder mehr der Wunsch, das Geschehen am Altar durch besonderen Glanz hervorzuheben, ob die Symbolik – Gott ist Licht, Christus als göttliches Licht, als der, der die Welt erleuchtet – im Vordergrund stand, lässt sich nicht eindeutig klären.

Leuchter mit Kerzen zählen – im Gegensatz etwa zum Kelch – zu den vasa non sacra, den nicht heiligen liturgischen Geräten. Die Einführung in das Messbuch sagt dazu: „Die Leuchter, die Zeichen der Verehrung sind und den festlichen Charakter der verschiedenen liturgischen Feiern betonen, können auf den Altar gestellt werden.“ (279) Erst das Missale Papst Pius V. (1570) und dann das Zeremoniale Klemens VIII. (1600) haben diesen Brauch zur Pflicht gemacht. Sie schrieben auch die Anzahl der Leuchter, die man auf den Altar (oder die Leuchterbank) setzt, fest. Es sind bei einem Gottesdienst drei Paare, also 6 Leuchter, in deren Mitte das Altarkreuz steht. Feiert der Bischof die Heilige Messe, sind es 7.

Als Material wurden Zinn, Bronze, Messing und Kupfer verwendet, auch Holz, das mit Silber beschlagen wurde. Kupferleuchter wurden oft ebenfalls versilbert.

Eben diese Materialien wären unseren Altarleuchtern beinahe einmal zum Verhängnis geworden. Das erwähnte Schreiben des Ordinariats vom 15. Dezember 1943 bezog sich nämlich auf die Ergebnisse der „Bestandsanzeige für die Metallabgabe“. War im April 1939 noch von einer „Metallspende des Deutschen Volkes“ die Rede, bei der „aus freien Stücken“ Metallgegenstände für die Verstärkung der Rüstungsindustrie abgegeben werden sollten, waren danach die bronzenen Kirchenglocken eingezogen worden, straffte man 1942/43 die Zügel noch einmal und verlangte von den Kirchen, alle Gegenstände aus Kupfer, Zinn, Blei, Nickel und deren Legierungen (Bronze, Messing) zu melden und, soweit entbehrlich oder durch andere Stücke ersetzbar, abzugeben. Sowohl lose Gegenstände als auch solche, die des Ausbaues bedurften, wurden eingefordert. Dabei durften nur in Ausnahmefällen Gegenstände als unentbehrlich angezeigt werden, wenn z. B. die Beschaffung von Ersatz nicht möglich war. Unterschiede wurden nicht gemacht: auch Kelche oder Ewige Lampen mussten abgegeben werden. Allerdings sollte der zuständige Denkmalpfleger die Gegenstände prüfen und bewerten. Pfarrer Lütkehaus meldete daher am 14. 1. 1943 u.a. diverse Leuchter, Weihwasserbecken, und die Ewige Lampe. Zuständiger Provinzialkonservator war Walter Peschke (1892-1952), ein Hochbauingenieur, der sich mit Denkmalpflege beschäftigt hatte und 1933 zum Provinzialkonservator ernannt worden war. Er bewertete nicht nur die meisten gemeldeten Gegenstände als dauerhaft erhaltenswert und bewahrte sie damit vor einer Abgabe. Er machte auch in einem Brief an das Ordinariat darauf aufmerksam, in Salvator wären mehrere Gegenstände als wertvolles Kulturgut anzusehen, das dringend erhalten werden müsste und forderte dafür einen besseren Schutz. Die 6 Altarleuchter aus Zinn waren darunter, neben u. a. dem Taufbecken, den Engeln an der Orgelempore und dem Kommuniongitter.

Unter welchen Umständen Salvator tatsächlich die 6 Leuchter aus Messing und eine Ewige Lampe aus Tombak (Messinglegierung aus Kupfer und Zink), deren Ablieferung laut Bestandsanzeige „ohne weiteres geboten“ war, abgeliefert hat, konnte ich bis jetzt nicht feststellen, Unterlagen dazu in unserem Archiv nicht finden.

Unser erster Osterleuchter aus Messing war vermutlich 1943 noch nicht angeschafft, andernfalls hätte er auf der Abgabeliste gestanden. Allerdings verwenden wir jetzt zum Exultet und in der Osterzeit meist den von Hans Wachter gestalteten und aus der Martyrer-Gemeinde stammenden Bronzeleuchter, der die Möglichkeit bietet, Blumenschmuck anzubringen. Der hölzerne Leuchter mit der Osterkerze, die bei Taufen und beim Totengedenken als Symbol für die Auferstehung (Lux perpetua, auf dessen musikalische Gestaltung gerade Frau Schek in ihrem Freitagsimpuls hingewiesen hat) angezündet wird, wurde 1995 von dem polnischen Künstler und Restaurator Jacek Korpanty in Anlehnung an den vorhandenen barocken Taufstein geschaffen.

Vielleicht können wir gerade in diesen dunklen Novembertagen unseren Blick einmal genauer auf die vielfältigen Formen des Lichts in unserer Kirche lenken. Es lohnt sich, finde ich, und kann sehr tröstlich sein.

Bis zum nächsten „Hineingeschaut“,

 

Ihre/Eure Regina Mahlke, Chronistin