Hineingeschaut

Hineingeschaut – 21. Dezember 1924

Benediktion Salvatorkapelle 21-12-1924 Katholische Kirchengemeinde Salvator Lichtenrade Chronik
Benediktion Salvatorkapelle 21-12-1924 Katholische Kirchengemeinde Salvator Lichtenrade Chronik

„Die Feier der Einweihung ist schön und erhebend verlaufen“

„Die liturgischen Gesänge hatte in dankenswerter Weise der Kirchenchor von Tempelhof übernommen.“

Was mögen sie wohl gesungen haben an diesem 21. Dezember 1924, von dem in Briefen und Zeitung die Rede ist? War das Lied „Veni, veni Emanuel“ dabei (oder die Antiphon des Tages „O oriens“) oder Teile eines Magnificat – immerhin war es der 4. Advent? War es eine bekannte Messe, mit der die Sänger die Gottesdienstteilnehmer und den Breslauer Weihbischof und Leiter der Delegatur in Berlin, Dr. Josef Deitmer (1865-1929), erfreuten? Wir wissen es nicht, denn Unterlagen zum Ablauf der Benediktion der neuen Notkapelle sind ebenso wenig in den Archiven von Salvator und Herz Jesu zu finden wie Aufzeichnungen über das Wirken des Kirchenchores.

Die Lichtenrader Katholiken hatten seit Weihnachten 1912 in der Bahnhofstr. 8 einen kleinen Gottesdienstraum, die Stephanus-Kapelle. Schon bald versuchte man, u. a. durch die Gründung eines Kirchbauvereins, Mittel für eine neue größere Kapelle zu sammeln, da die wenigen Plätze längst nicht für alle Gottesdienstbesucher ausreichten. Pfarrer Theodor Grabe (1866-1935) aus St. Elisabeth, der seit 1916 am Bahnhof Lichtenrade Land erworben hatte, um dort ein großes Säuglingsheim und Waisenhaus, das spätere Kinderkrankenhaus, zu bauen, wurde schließlich 1924 durch Pfarrer Heinrich Heufers (1880–1945) aus Tempelhof - Lichtenrade gehörte zu seiner Gemeinde – um Hilfe gebeten. Finanzielle Unterstützung zu geben, lehnte er ab, doch das spätere Apothekenhaus war als erstes Gebäude des Kinderkrankenhauses schon so weit fertig gestellt, dass er seinen Architekten, den Kölner Dombaumeister Bernhard Hertel, bat, das obere Stockwerk zu einer behelfsmäßigen Kapelle auszubauen. Dieses Vorhaben gelang durch „dem Bau äußerst günstige Witterung“, wie es in der Chronik von Herz Jesu heißt, sehr rasch.

Schon vor Weihnachten 1924 konnte die Kapellengemeinde diese Notkapelle in Gebrauch nehmen, obgleich man erst im August mit den Ausbauarbeiten begonnen hatte. Die Innenausstattung ist einfach, jedoch bei der Einweihungsfeier und darüber hinaus dank Spenden der Gemeinde und des Klosters Marienfelde schön und reich, ein unbekannter Zeitungsschreiber nannte sie sogar „prächtig“.

Anwesend waren bei der Feier außer dem Weihbischof Delegationsassessor Dr. Georg Banasch (1888-1960) und Kuratus Dr. Franz Hartz (1882-1953) aus St. Elisabeth, Kuratus Konrad Zipper (1890-1961) aus Mariendorf, die Geistlichkeit der Pfarrei Tempelhof: Pfarrer Heufers, Kaplan Franz Niedzballa (1897-1952), zahlreiche Mitglieder der Gemeinden Tempelhof, Mariendorf und Marienfelde und der durch häufige seelsorgerische Aushilfe den Lichtenradern besonders vertraute Pater Heinrich Pesch, S. J. (1854-1926), der im Kloster Marienfelde seine sozial-ethischen Werke verfasste. Weihbischof Dr. Deitmer hielt die Predigt.

Wenige Tage später, am Weihnachtsfest, wurde dann auch das Patronat der Kapelle, bisher St. Stephanus, in Salvator geändert. Die Umbenennung fand nach Lesung und Evangelium in „gratia Salv. nostri – Salvator mundi zur Erbauung und Zufriedenheit der Gemeinde“ statt, wie Pfarrer Heufers dem in Amerika weilenden Theodor Grabe in einem Brief vom 28.12.1924 mitteilte. Pfarrer Grabe hatte um den Titel Herz Jesu gebeten, Kardinal Bertram (1859-1945) dieser Bitte entsprochen und zur Vermeidung von Verwechslungen angeregt, die Kapelle Salvator-Kapelle zu nennen. Patrozinien sind endgültig, werden sie für einen nur benedizierten, nicht konsekrierten Kirchenbau vergeben, trägt dann auch der fertiggestellte Bau diesen Titel.

Ein von Pfarrer Grabe in Aussicht gestelltes Herz Jesu Bild (das heutige Altarbild von Gebhard Fugel in unserer Kirche) wurde damals noch nicht fertig gestellt. Doch ein Harmonium kaufte Pfarrer Heufers bei der Berliner Firma Franz Ferdinand Seydel. Es diente noch bis Weihnachten 1948 als Begleitinstrument für die Gemeinde.

Die Freude über den neuen Gottesdienstraum war vor 97 Jahren groß und die neue Kapelle für die immer zahlreicher werdenden Katholiken im Süden Berlins dringend nötig: In den Gottesdiensten wuchs die Teilnehmerzahl auf das 3-4fache an.

 

Bis zum nächsten „Hineingeschaut“

mit ganz herzlichen Grüßen für ein gesegnetes Weihnachtsfest

und ein gutes neues Jahr 2022!

 

Ihre/Eure Regina Mahlke, Chronistin