Fastenimpulse

ein täglicher Impuls

Liebe Gemeinde,

vor uns liegen die sieben Wochen der Fastenzeit. Ich möchte mich gemeinsam mit Ihnen auf den Weg Richtung Ostern machen. Es ist die spannende Zeit, die so viele Chancen auf Veränderung in sich birgt und in uns den Wunsch reifen lässt an einer neuen und tieferen Gottesbeziehung zu arbeiten.

Mit kleinen Schritten möchte ich mit Ihnen von Aschermittwoch bis Ostermontag wandelnd wandern gehen. Mal mit einem Impuls, mal mit einer Frage, mal mit einem Gedicht oder einer Übung. Lassen Sie uns gemeinsam experimentieren und die Fastenzeit erkunden. Gönnen Sie sich dabei eine Tasse Kaffee oder Tee – soviel Zeit benötigen Sie für Ihren täglichen Fastenimpuls.

Vielleicht haben Sie sogar selber eine Idee oder möchten einfach sich nur austauschen. Dann schreiben Sie mir oder rufen mich an.

Ich freue mich auf unsere gemeinsame Experimentierzeit und wünsche Ihnen viele Freude und Inspiration.

Ihre Anja Schmidt, Gemeindeassistentin

Gebet zur Begleitung für die Fastenzeit

Liebes Leben,

willst du mit mir gehen?

Ich mag dich. Du bist so überraschend.

Kein Tag mit dir gleicht dem anderen.

Ich weiß nie, was kommt, aber du hältst mich.

Mit dir bin ich mutig und manchmal bist du mir voraus.

Jeden Morgen schaue ich in deine Augen

und mein Herz pocht.

Mit dir möchte ich: ____________________________

Dein(e) _______________

Idee nach www.anderezeiten.de

Wenn es glatteist, gehen die Menschen Arm in Arm. – Jean Paul

Montag

Warum bist Du nie da, wo ich dich gerade suche? Ich will mit Dir reden, Gott! Ich stelle mir vor, wie wir beide im meinem Wohnzimmer an einem Tisch sitzen. Du hörst mir zu, fragst auch mal nach, sagst was Du denkst.

Schaue ich jetzt an meinen Tisch, bist du nicht da. Wo bist du? Blicke ich weiter in mein Buchregal, steht dort Martin Buber. Er weiß wo Gott ist: „Gott wohnt, wo man ihn einlässt.“ Dann ist er gerade jetzt in diesem Moment in meinem Herzen, denn dort hab ich ihn heute Morgen reingelassen.

Wo wollen Sie heute Gott begegnen?

Dienstag

Jesus sprach zu Zachäus:

Ich muss heute dein Gast sein! (Lukas 19,5 GN)

 

Wenn du das nächste Mal vorbeikommst, werde ich da sein!

Ich werde oben aus dem Fenster schauen und warten, bis ich dich von weitem sehen kann. Dann gieße ich den Tee auf, hole den Kuchen aus dem Kühlschrank, renne schnell die Treppe hinunter und merke, wie die Aufregung in meinen Fingerspitzen kribbelt! Und die Vorfreude auf den Moment, die die Türen öffnen zu dürfen, einfach schön. Amen.

 

(Herrnhuter Losung „Für junge Leute“)

Mittwoch

Vergeben ist nicht vergessen. Es bedeutet würdigen, was war und immer noch wehtut – und zugleich nicht mehr ist.

Was hilft? „Nicht siebenmal, sondern siebzigmal sollst du vergeben.“ sagt Jesus. Menschen, die vergeben, gehen manchmal einen langen Weg. Aber sie wollen in Verbindung bleiben. Manchmal muss man auch sich selbst vergeben und neu anfangen. Dass das Herz frei wird und die Verbindung nicht reißt.


Donnerstag

ausweichen

 

ich weiß

daß ich oft oder meistens

ausweichen will

ich weiß auch

daß das verständlich ist

denn ich will leben

ich weiß aber nicht mehr

ob man am leben bleibt

wenn man ausweicht

 

Erich Fried

Ein sinnvolles Leben entsteht dadurch, dass in den Sinn, den ich lebe, entdecke.

Klaus Mertes

Montag

„Stopp! So geht das nicht.“ Das ist DER Satz, bei dem mein Mann, das dreckige Geschirr auf dem Geschirrspüler stehen lässt und ich alleine zurück bleibe – das dreckige Geschirr und ich.

Aber ist es wichtig, dass die Spülmaschine „richtig“ eingeräumt ist? Ich denke kaum. Mit dieser Erkenntnis lebt es sich vielleicht ein bisschen chaotischer, aber definitiv ruhiger.

Was darf bei Ihnen nicht perfekt sein?

Dienstag

Warum fasten Sie? Gibt es einen Grund? Die Bibel kennt unzählige. In der Woche des Selbstversuchens wollen wir gemeinsam lernen und begreifen und so lehrt uns der Psalm 32,8:

„Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen,
den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten.“

Welches ist Ihr Weg, den Sie fastend erreichen möchten?

Mittwoch

Neues versuchen, heißt auch etwas zu wagen. Bekannte Wege zu verlassen und aus der Reihe zu tanzen.

Benennen Sie ein neues Ziel, schließen Sie einen Vertrag mit sich selbst. „Ich möchte in den Wochen der Fastenzeit…“

Geben Sie sich Zeit für den einen ersten Schritt, aber verlieren Sie Ihr Ziel nicht aus den Augen!

Ich verrate Ihnen mein Ziel: „Ich möchte in den Wochen der Fastenzeit Ärgerfasten. Ich sehe alles Ärgerliche aus einer anderen Perspektive: Aus der Sicht des anderen, aus Gottes Sicht, aus meiner Sicht in einem Jahr.“

Ein bisschen denken schadet nicht, aber zu viele negative Gedanken schon.


Donnerstag

Trau Dich! Sprechen Sie doch mal wieder mit einem Freund oder einer Freundin, die Sie lange nicht gehört haben. Fragen Sie sie eine unerwartete Frage: Was würdest du gerne tun, traust dich aber nicht? Was war das Beste, dass jemand für dich getan hat? Worauf bist du stolz?

Freitag

Auf jedem deiner Wege
wirst du Steine finden.
du kannst sie umgehen,
überspringen oder darüber stolpern.

Du kannst aus ihnen
aber auch Stufen bauen,
Stufen, die dich weitertragen.

(Annegret Kronenberg)

Samstag

Suchen Sie sich einen ruhigen Platz – um etwas vielleicht Neues für Sie zu versuchen.

Werden Sie ganz ruhig und hören Sie Ihren eigenen Atem. Wenn Sie ruhig geworden sind und eine bequeme Sitzposition gefunden haben, lesen Sie langsam diese Übung:

Fließe, gutes Gotteslicht, in den Urgrund meines Ich,
dass ich mich erkenne. Fließe, Gotteslicht!

Brenne, zartes Gotteslicht, wandle du mein falsches Ich,
dass ich dich erkenne. Fließe, Gotteslicht!

Heile, starkes Gotteslicht, allen Hass, der mich zerbricht,
Schuld in mir verbrenne. Fließe, Gotteslicht!

Leuchte, helles Gotteslicht, gib mir deine klare Sicht,
für mich aus der Enge. Fließe, Gotteslicht!

Fließe, warmes Gotteslicht, lass von deiner Liebe nicht.
Schenk mir deine Minne. Fließe, Gotteslicht!

Brigitte Schwarz nach Mechthild von Magdeburg (13.JH)

Sonntag

„Glaubt an das Licht, damit ihr Kinder des Lichtes werdet.“ Johannes 12, 36

 

Können Sie sich noch an die Übung von gestern erinnern? Wiederholen Sie sie heute noch einmal.

 

Stell Dir ein helles Licht vor – über Dir:
Einen Ball aus Licht und Gold.

Daraus wächst und webt sich ganz langsam ein feines,
leuchtendes Gewebe. Die lichte Hülle umgibt erst Dein
Haar, Deinen Kopf, webt sich dann weiter um Deinen
Körper – bis zu Deinen Füßen. Ein leichtes, helles Vlies
Hüllt Dich nun golden ein.

Nach außen hast Du eine lichte Schutzhülle,
einen unsichtbaren Schutzmantel.
Leicht mitzunehmen und umzulegen.

Stell es Dir vor.

Du bewohnst ein Haus aus Licht.
Ist es ein farbiges Licht?
Fließt es?
Lass Dich von Wärme und Licht durchströmen.
Überall.
Besonders dort, wo Du Schmerz empfindest.
Lass das Licht durch Dich hindurchfließen
Und nach außen strahlen.

Lass es ein in Dein Herz.
Lass es Dich erleuchten.
Lebe im Licht.

(Melanie Kirschstein)

Aschermittwoch

Noch bist du da

Wirf deine Angst
in die Luft

Bald ist deine Zeit um
Bald wächst der Himmel
unter dem Gras
fallen deine Träume
ins Nirgends


Noch duftet die Nelke
singt die Drossel
noch darfst du
liebenWorte verschenken
noch bist du da

Sei was du bist
Gib was du hast

(Rose Ausländer)

Donnerstag

Am Anfang eines Neubeginns steht eine Idee? Wie sieht sie aus?

Am Anfang eines Weges ist eine Null auf dem Kilometerzähler. Wie weit bin ich am Ende gegangen?

Am Anfang eine Reise steht ein leerer Koffer. Womit werde ich ihn füllen?

Am Anfang eines Tagebuches sind alle Seiten leer. Was werde ich bis zum Ende geschrieben haben?

Wie ist Ihr Neuanfang? Wie sieht Ihre Straße aus? Was kommt in Ihren Koffer? Wie lautet Ihr erster Tagebuchsatz?

Freitag

Schlüssellochmoment – Wann haben Sie das letzte Mal aus purer Neugier durch ein Schlüsselloch geschaut?
Was haben Sie dahinter erwartet? Wen haben Sie dahinter erwartet?
Wie sieht Ihr perfekter Schlüssellochmoment aus? Bringt er Sie näher zu Gott?

Quelle: canva.com

Samstag

Am Anfang
war das Wort
und das Wort
war bei Gott
Und Gott gab uns
das Wort
und wir wohnten
im Wort
Und das Wort
ist unser Traum
und der Traum
ist unser Leben.
(Rose Ausländer)

Welchen Traum haben Sie für diese Fastenzeit? Was trägt Sie durch die Tage der Fastenzeit?

Sonntag

Die Jünger hatten solche Angst vor den Juden. Dass sie die Türen des Raumes, in dem sie beisammen waren, verschlossen hielten. (Joh 20, 19)

Gebet:
Du
da bin ich
möchte nah sein
dir und mir
dem Leben
unter dem Schatten deiner Flügel
Zuflucht finden

zeig mir
was mich trennt
zeig mir
wo ich meine Sehnsucht mit den
falschen Dingen füttere
den Weg verbaue, den ich suche

gib mir Mut
zu lauschen und zu lieben
zu verzeihen
auch mir selbst
in der Tiefe
mich wandeln zu lassen

Du
nimm meine Angst, meine Schatten
Scham und Schuld
erlöse, erleuchte, wandle das Dunkel

gib mir ein Herz
das deine Stimme hört
sich tragen lässt
ins Licht

Amen.
(Melanie Kirschstein)