Impuls

Wort zum Freitag, 29.10.2021

Bild: Yohanes Vianey Lein In: Pfarrbriefservice.de

Seit Wochen lässt mich dieser Satz nicht los. Diese Stelle konnten wir am 1. Oktober, dem Gedenktag der Hl. Theresia vom Kinde Jesu hören. Diese junge Frau, die gerade mal 24 Jahre gelebt hat, spürte ihre Berufung schon als kleines Kind. Mit 13 erfuhr sie zu Weihnachten – wie sie selber berichtet – „die Gnade einer völligen Umkehr“. Zwei Jahre später trat sie in den Carmel von Lisieux ein.

Oft wird bei Kindern die Ernsthaftigkeit ihres Glaubens, auch wenn es sich um einen kindlichen Glauben handelt, unterschätzt. Ich habe schon mehrmals bei Kinderkatechesen oder in Gesprächen in Kindergottesdiensten feststellen dürfen, dass Kinder einen unerwarteten Tiefgang in Glaubenssachen haben. Kann man da die Äußerung, dass man eines Tages Ordensfrau, Ordensmann oder Priester werden möchte, ernst nehmen? In der Regel würde man so eine Aussage vonseiten eines Kindes kleinreden.

Denkt man an die Geschichte der Theresia von Lisieux, so würde man wahrscheinlich sagen: „Das waren andere Zeiten. Heute gibt es so etwas nicht.“ Und doch bin ich in meinem Leben mindestens drei Menschen begegnet, deren Berufung sich in ihren jüngsten Jahren schon gezeigt hat.

Einer ist mein ehemaliger Regens, der mit acht Jahren dem Ruf nachging, in ein Franziskanerkloster einzutreten. Das war Ende der 50er in Italien. Seine Mutter sprach ihn ernsthaft an und fragte, ob er sich dessen bewusst sei, dass er so die Familie verlassen und ins Internat gehen müsse. Er nahm das auf sich und ist dann tatsächlich Ordensmann geworden.

Ein anderer ist mein ehemaliger Spiritual, der schon als Mittelschüler in das sogenannte „kleines Seminar“ eintrat. Er gehört zur Generation der Seminaristen, die beim Zweiten Vatikanischen Konzil Dienst im Petersdom hatten. Er strahlt heute noch eine unglaubliche Freude an seinem priesterlichen Leben aus.

Die dritte ist eine Berlinerin, die als Jugendliche den heutzutage unvorstellbaren Ruf verspürte, in ein Benediktinerinnenkloster in Italien einzutreten. Als sie eines Tages mit einer anderen Freundin zufällig eine Bekannte von dieser besuchten, die schon im fortgeschrittenen Alter ins Kloster eingetreten war, gewann sie dort die Erkenntnis, dass das ihr Zuhause sein würde. Und sie gehört heute noch der Kommunität.

Uns allen ist ja die andere Stelle bekannt, in der es um Kinder geht. Als die Jünger sie vertreiben wollten, sprach Jesus zu Ihnen: „Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn solchen wie ihnen gehört das Reich Gottes“ (Mt 10,14). Er nimmt sie ernst und spricht sie an, auch wenn sie noch sehr jung sind. Auch unsere Kinder!

Ihr

Pfr. A. Marra