Impuls

Wort zum Freitag, 29.04.2022 Hört doch mal rein

Der Festtag, den wir heute feiern dürfen, ist der Heiligen Katharina von Siena (25.03.1347 – 29.04.1380) gewidmet. Ihr Geburtstag jährte sich zum 675. Mal. Sie wurde zur Patronin für Europa,  - war Ordensfrau, Mystikerin und Kirchenlehrerin. Eine Frau, deren Feiertag die katholische, evangelische und anglikanische Kirche heute gemeinsam begehen. Mir ist ihr Name vertraut aus der Allerheiligenlitanei, in der die meisten Namen mit 2 oder 3 Silben zu singen sind, Ihr Name jedoch mit 8 Silben, Konzentration braucht. Was verbirgt sich hinter diesem Namen? Ihre Biographie ist erstaunlich und soll deshalb heute hier einmal ihren Platz einnehmen. Katharina wurde als 24.(!) Kind einer verarmten Adelsfamilie geboren. Als Pelzfärber kam der Vater aber wieder zu Wohlstand. Sie hatte eine Zwillingsschwester, die jedoch kurz nach ihrer Geburt starb. Bereits mit 6 Jahren hatte sie eine Christusvision, mit 7 legte sie das Gelübde der Jungfräulichkeit ab, mit 10 Jahren hatte sie über ihren Vetter Kontakt zum Dominikanerorden, mit 12 sollte sie heiraten, weigerte sich jedoch im Streit mit der Mutter, der drei Jahre anhielt, bis der Vater über Katharina eine weiße Taube sah und von da an beschloss, sie solle in Ruhe gelassen werden. Ihr Gesicht wurde durch Pockennarben entstellt, worauf sie sich extrem zurückzog, wochenlang fastete, innig betete, schwieg und wenig schlief. Mit 13 trat sie dann dem Dominikanerorden bei und lebte dort in asketischer Strenge. Sie lernte das Brevier und die Heiligenbiographien zu lesen. Durch ihre Gottsuche faszinierte sie ihr Umfeld und fand Menschen, die sich ihr anschlossen. Mit Hingabe pflegte sie alte, kranke und auch lepröse Menschen. Katharina zog im tiefsten Mittelalter als Frau durchs Land (!) und erreichte die Freilassung von zwei gefangengenommenen Brüdern. Sie schrieb viele Briefe an Fürsten und Bischöfe um eine Reform der Kirche zu erreichen. Man sagt, sie hätte zeitweise drei Sekretären gleichzeitig Briefe diktiert. 1347musste sie sich vor dem Dominikanerorden für ihr auffälliges Verhalten rechtfertigen, konnte aber die Bedenken ausräumen, und durfte ab diesem Zeitpunkt in offiziellem Auftrag der Kirche reisen und predigen(!).  Das Generalkapitel des Ordens wies ihr Raimund Capua als geistlich Führenden zu, den sie während der Pest pflegte. Nachhaltig kritisierte sie den Verfall der Integrität des Klerus und Bewunderung weckten ihre Briefe zu spirituellen Fragen. Immer mehr Geistliche und Laien schlossen sich ihr an. Sie war daran beteiligt, dass der in Avignon lebende Papst Gregor XI. wieder an seinen Sitz nach Rom zurückkehrte, und in 14 Briefen an den Papst setzte sie sich für einen Kreuzzug und für eine Kirchenreform im Sinne der Reinheit und Armut ein. Sie plädierte für ein Ende der Korruption und dafür, dass der Klerus sich um die Seelsorge kümmern sollte. Sie reiste wieder nach Siena zurück und gründete dort 1377 ein Reformkloster für Frauen. In vielen diplomatischen Briefen an Adressaten aus ganz Europa setzte sie sich für die Einheit der Kirche ein. 1380 starb sie mit 33 Jahren schwer erkrankt in Rom und hinterließ 380 Briefe. In Italien gilt sie als die größte Frau der Kirchengeschichte und wurde schon 1461 durch Papst Pius II. heiliggesprochen. 1866 ernannte Papst Pius IX. sie zur Schutzheiligen Roms, 1939 wurde sie Patronin Italiens durch Papst Pius XII., 1970 dann zur Kirchenlehrerin durch Papst Paul VI. und schließlich 1999 zusammen mit Birgitta von Schweden und Edith Stein zur Schutzheiligen Europas erklärt. Sie ist Patronin der Krankenschwestern und Pfarrsekretärinnen…. Was für eine Historie… In ihrer berühmtesten Schrift „Il dialogo“ richtet Katharina vier Bitten an den HERRN: um Gnade der Buße für sich selbst, um die Reform der Kirche, um den Frieden in der ganzen Welt und besonders zwischen den Christen, und dass die göttliche Vorsehung sich aller Menschen annehme. Ich verneige mich vor so einer großen Persönlichkeit der Geschichte, insbesondere der Kirche.  Zwei Zitate von ihr möchte ich noch anfügen: „Die Stunde ist kostbar. Warte nicht auf eine spätere, gelegenere Zeit.“ und „Die Liebe trägt die Seele, wie die Füße den Leib tragen.“

Das letzte Zitat bringt mich zu Georg Friedrich Händels wunderbarer Arie „Meine Seele hört im Sehen“ - auch ein mystischer Text - aus den 9 Deutschen Arien, in den man sich versenken kann.  Als zweites lege ich Euch die Arie von Felix Mendelssohn „Meine Seele dürstet nach Gott“ aus der Psalmkantate 42 „Wie der Hirsch schreit“ ans Herz. Beide Werke erzählen von der Sehnsucht nach Gott, die Katharina von Siena in ihrem Leben getragen hat.

https://www.youtube.com/watch?v=XggKG9BQTIk

https://www.youtube.com/watch?v=hOJ961_7tpQ (die Arie beginnt bei 5:45min)

Spürt doch dieser Sehnsucht beim Hören nach und habt eine besinnliche Woche!

Eure und Ihre Sonja Schek, Pfarreikirchenmusikerin