Impuls

Wort zum Freitag 28.05.2021

„Moment mal!“, werden Sie jetzt womöglich denken, „diese Gleichung stimmt doch nicht. Das Ergebnis ist 3. Es muss wohl ein Schreibfehler sein!“

Am Sonntag nach Pfingsten feiern wir im Jahreskreis das Hochfest der Heiligen Dreifaltigkeit. Das ist eines der sogenannten „Ideenfesten“, an dem die Kirche das Große Geheimnis feiert, dass Gott einer ist, der sich zugleich in drei Personen zu erkennen gibt. Das lernen wir schon als kleine Kinder und nehmen es als selbstverständlich an. Spätestens dann, wenn man darauf angesprochen wird, vielleicht von einem anders Gläubigen oder einen nicht Gläubigen, es zu erklären, kommen wir ins Schleudern. Ist es nun ein Gott oder sind es drei Götter – Vater, Sohn, Heiliger Geist… Und wie geht das: eins zu sein und zugleich drei?

Wenn man unter den Begriff „Person“ sich ein Individuum, einen Menschen vorstellt, dann geht die Rechnung niemals auf. 3 Personen können nicht eins sein! In meinen Theologiestudium hat mir immer geholfen, die Entstehungsgeschichte der Definitionen zu betrachten bzw. die Herkunft der Begriffe zu erforschen. Das im Deutschen nun geläufig gewordene Wort „Person“ stammt ursprünglich aus dem Lateinischen „persona“, das sich wiederum aus den Teilen „per“ und „sonare“ zusammensetzt: „per“ entspricht dem deutschen „durch“ und „sonare“ dem deutschen „ertönen, klingen“. Das lateinische „persona“ bezeichnete in der Antike die Maske, die ein Schauspieler anhatte. Diese Maske hatte eine doppelte Funktion: zum einen diente sie als Resonanzkörper für die Stimme des Schauspielers, quasi als natürlicher Verstärker; zum anderen hatte sie die Form der Rolle, die der jeweilige Schauspieler verkörperte. Person bedeutet also ursprünglich „Charakter“ oder „Rolle“. Vielleicht kann man so leichter nachvollziehen, dass die drei göttlichen Personen eben jeweils die Rollen bezeichnen, die der eine Gott annimmt: als „Vater“ also als der ursprungsloser Schöpfer, der alles aus dem Nichts ins Dasein ruft, als höchste Instanz und Autorität; als „Sohn“, das mit Gottes Wort identisch ist, durch das alles geschaffen wurde und das dann in einem Menschen, Maria Mensch geworden ist in Jesus aus Nazareth, das zu uns Menschen auf menschlicher Weise und in menschlicher Sprache das göttliche Wort spricht; als allesdurchdringender Heiliger Geist, das die Menschen und die Geschöpfe eben als Gotteskraft und -Weisheit von Innen berührt, erfüllt und verwandelt.

Dass Gott dreifaltig ist, wissen die Christen nicht aus eigenen Überlegungen oder Schlussfolgerungen, sondern weil es Jesus offenbarte. Durch alles, was er gesagt und getan hat, haben die christgewordenen Juden die Dreifaltigkeit erkannt.

Wie Gott dreifaltig ist, bleibt ein unergründliches Geheimnis - wie eben Gott letztlich immer ein Geheimnis bleibt. Gelüftet wird dieses Geheimnis dann sein, wenn wir ihn von Angesicht zu Angesicht sehen werden können. Für mich sind zwei Dinge aus dieser Erkenntnis wichtig: Gott ist Liebe und Gott ist Gemeinschaft. Als seine Ebenbilder haben wir die Berufung und den Auftrag, das in der Welt, in der wir gestellt sind, sichtbar werden zu lassen.

Ihr

Pfarrer Arduino Marra