Impuls

Wort zum Freitag, 27.05.2022

Biuld: Joachim Sponholz

Liebe Schwestern und Brüder,

gestern haben wir das Hochfest der Himmelfahrt unseres Herrn Jesus Christus gefeiert. Wahrscheinlich tatsächlich nur wir Christen, denn in den meisten Kalendern wird dieser Tag als Vatertag, bzw. auch als Herrentag gefeiert. Ich unterstelle mal, dass das von der positiven Grundstimmung kommt, die diesem Tag innewohnt und dann in das Profane übertragen wird.

Christus macht das wahr, was er in der Zeit seines vorösterlichen Wirkens auf Erden seinen Jüngern an vielen Stellen angekündigt hat: Er fährt hinauf zu seinem Vater in den Himmel. Wir dürfen uns freuen, denn er macht seine Verheißung wahr: „Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten!“ Er richtet die Wohnung ein, von der er in diesem Zusammenhang spricht, in der wir mit ihm und dem Vater wohnen werden.

Nach seiner Himmelfahrt - die Markus im vorletzten Vers seines Evangeliums sehr knapp erwähnt und die in der Apostelgeschichte gleich im ersten Kapitel etwas ausführlicher beschrieben wird - sind die Jünger das erste Mal, seit sie sich Jesus angeschlossen haben allein auf sich gestellt. Jesus hat den Beistand – griechisch ist das der Paraklet, ein Anwalt - den Heiligen Geist angekündigt. Aber wann der kommt und wie man ihn erkennt, das hat er nicht deutlich gesagt.

Ich stelle mir diese Zeit schwierig vor, eine Zeit der Vakanz, der Ungewissheit. Wenn ein Papst gestorben ist, dann nennt man die Zeit bis zur Wahl des neuen Papstes Sedisvakanz. Der Stuhl ist leer!
Es hätte alles Mögliche passieren können in dieser Zeit: Die Jünger hätten „kalte Füße“ bekommen können und einfach verschwinden. Das beginnende Christentum wäre wohl mit ihnen verschwunden. Sie hätten sich in Streitereien um den Rang untereinander und um Inhalte aufreiben oder sich falschen Propheten zuwenden können. Christi Botschaft vom Reich Gottes wäre untergegangen.

Nichts davon geschah! Die Jünger taten das Einzige, was ihnen sinnvoll erschien und gingen zurück nach Jerusalem, an den Ort den sie kannten und in dem sie sich mit Jesus zuletzt verbunden fühlten und geborgen wussten. In das Obergemach, das der Überlieferung nach der Saal war, in dem Sie mit ihm das letzte Abendmal gefeiert hatten und wo der Herr das Sakrament der Eucharistie gestiftet hatte.

Wer verwirrt, verunsichert und sozusagen kopflos ist, der tut gut daran sich in Erinnerung zu rufen, was in anderen Situationen geholfen hat. Bei ihrem Meister hatten sie beobachtet, dass er sich oft zum Gebet in die Einsamkeit, in die Stille begab, um sich Kraft von seinem Vater zu holen. Und immer kam er dann gestärkt zu ihnen zurück. Sie selbst sind in vielen Situationen zu ihm gekommen und er hat alles gut gemacht. So blieben sie auch in dieser Situation zusammen und „verharrten einmütig im Gebet!“

Nutzen wir alle die Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten und wenden uns im Gebet an IHN. Die Tradition der Novene – das ist das wiederkehrende, eindringliche Gebet in einem Anliegen über neun Tage hinweg – geht auf diese Zeit zurück, in der die Jünger im Obergemach um den heiligen Geist, um seine Ausgießung beteten. Beten wir also gemeinsam um den heiligen Geist, der unsere Welt bewegt, verändert und uns am Leben erhält.  

Das gemeinsam gesprochene Gebet ist eindringlicher und wirkmächtiger, diese Erfahrung machen wir letztlich an jedem Tag, an dem wir gemeinsam Gottesdienst feiern. Im Gebet vereinen wir uns und tragen unsere Anliegen in den Himmel. Auch in diesem Jahr wird in der Gemeinde Salvator die Pfingstnovene gebetet. Ab dem heutigen Freitag bis Pfingsten an jedem Tag um 18.30 Uhr! Das ist eine gute Gelegenheit des gemeinsamen Betens, zu dem die Gemeinde und natürlich die ganze Pfarrei eingeladen ist.

Im Gebet verbunden

Ihr

Diakon Joachim Sponholz