Impuls

Wort zum Freitag, 25.11.2022 Hört doch mal rein

Bild: Sonja Schek, Ausschnitt des Orgelspieltischs der Seifert Orgel in Salvator-Lichtenrade

In der letzten 34. Woche dieses Kirchenjahres, bevor übermorgen der Advent beginnt, sehe ich in die heutigen Tageslesungen. Sie schenken uns Sätze wie „Ich sah das neue Jerusalem aus dem Himmel herabkommen… „Bücher wurden aufgeschlagen, auch das Buch des Lebens“… dazu trostreiche Worte aus dem Psalm 84 mit „Seht die Wohnung  Gottes unter den Menschen“, „Wohl denen, die wohnen in deinem Haus, die dich loben allezeit“, „Wohl den Menschen, die Kraft finden in dir. Sie schreiten dahin mit wachsender Kraft.“ Für mich bedeuten diese schon so alten Worte sehr viel. „Wie liebenswert sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth“ von Brahms oder Rheinberger zählen lange zu meinen Lieblingsstücken, vielleicht weil dieses Bild einer Wohnung bei Gott für mich so wichtig ist. Ob nun alle meine Lieben in meinen Gedanken in dieser ewigen Wohnung bei Gott leben und ich sie da gut aufgehoben weiß, oder aber ob Gott uns selbst erfüllt im Gebet, wenn wir versunken diesen Worten des Psalms lauschen. Diese Gedanken sind mir Trost in den dunkleren Tagen.

Schlagen Sie, schlagt doch den Psalm 84 einmal auf und betet ihn mit den Chören aus Hamburg und St. Petersburg mit, die dem Komponisten Louis Lewandowski musikalisch folgen. Wie verbindend ist Musik immer wieder, wo Menschen sich zusammen tun und gemeinsam singend beten, - sie lassen die Worte durch ihren Mund und meist finden dadurch die Worte auch ins Herz, in den Geist. Sehr dankbar bin ich für genau diese Erfahrung im vergangenen Pfarrei-Chorkonzert, in dem mit mir 70 Menschen den Lobpreis Gottes geatmet haben und ihn in Musik geformt haben. Eine große Freude stellt sich dabei ein, bei mir, den Musikern, den Sängern und, wenn es gut geht, auch bei allen, die zuhören.

Der Psalm 84, ein Psalm Davids, endet mit den Worten: „Herr, der Heerscharen, wohl dem, der dir vertraut!“ Spüren wir diesem Vertrauen nach, nachdem wir um unsere Lieben, die nicht mehr unter uns sind, trauern oder getrauert haben. Sie fehlen uns und  - sie haben ihre Wohnung bei Gott.

Der deutsch-jüdische Komponist Louis Lewandowski (1821-1894) hat sich von Mendelssohn und  Brahms inspirieren lassen, findet aber seine eigene Tonsprache, die uns in romantischen Klängen in das Gebet mitnimmt. Sein Beiname ist „Mendelssohn der Synagogalmusik“ und hier hat er die  rituelle Musik um eine Orgelinstrumentierung und Chorgesang bereichert. Vielleicht machen Sie sich / macht Ihr Euch heute eine Kerze an, setzen sich /setzt Euch gemütlich hin und lauschen / und lauscht den Worten des Psalms, bevor ab dem Wochenende dann adventliche Töne das Haus erfüllen…

https://www.youtube.com/watch?v=_03xyneyFqo

Bleiben Sie / bleibt gesund und geben Sie / gebt aufeinander Acht!

Ihre und Eure Sonja Schek, Pfarreikirchenmusikerin