Impuls

Wort zum Freitag 25.06.2021

Benno Bolze

Liebe Schwestern und Brüder,

 

in einer jüdischen Erzählung heißt es: Am Ende deines Lebens wirst du nicht gefragt, warum du nicht Mose oder Elija gewesen bist, sondern du wirst gefragt: Warum bist du nicht du selbst gewesen, sondern hast versucht, wie andere zu sein. -

In dieser kurzen Erzählung soll zum Ausdruck kommen, dass jeder Mensch ein Original ist, einmalig und von Gott ins Leben gerufen.

 

Den Text für diesen Freitagsimpuls habe ich gestern geschrieben, am Hochfest der Geburt Johannes des Täufers. In den ersten Sätzen des Lukasevangeliums lesen wir, dass er schon im Mutterleib vom Heiligen Geist erfüllt war. Als seine Mutter Elisabeth im sechsten Monat mit Johannes schwanger war, kam Maria, die Mutter Jesu, zu Besuch. An die Begegnung der beiden schwangeren Frauen erinnert das auf dem Bild zu sehende Kunstwerk, das in einem heute kleinen Ort in den Bergen von Judäa in der Nähe von Jerusalem steht.

Über die Kindheit von Johannes geben uns die Texte der Bibel keine weiteren Informationen. Erst als er ungefähr 30 Jahre war, wird wieder über ihn berichtet. Es wird beschrieben, dass er ein Gewand aus Kamelhaar und einen ledernen Gürtel trug. Ernährt hat er sich von Heuschrecken und wildem Honig. Er war einmalig, ein Original. Ganz Jerusalem zog zu ihm hinaus in die Wüste, wo er lebte. Die Menschen fühlten sich von ihm angezogen. Sie überlegten, ob er nicht der Messias ist, auf den die Menschen damals gewartet haben. Daher wurden Priester und Leviten von frommen Juden zu ihm geschickt mit der Frage: Wer bist du? Seine Antwort war: Nein, ich bin nicht der Messias. Sie fragten weiter: Bist du Elija oder bist du der Prophet? Wieder ein Nein als Antwort. Mehrfach also die Antwort: Nein, ich bin es nicht.

An anderer Stelle in der Heiligen Schrift lesen wir von Jesus, dass er über sich selbst sagt: Ich bin das Brot des Lebens, ich bin das Licht der Welt, der wahre Weinstock, der gute Hirt, die Tür zum Leben, der Weg und die Wahrheit. Jesus und nur Jesus ist der Messias. Johannes maßt sich nicht an, der Messias zu sein. Johannes hat sich nicht größer gemacht als er war.

Auf Jesus, den Messias, hat Johannes hingewiesen, wenn er sagt: Nach mir kommt einer, der ist größer als ich. Ich bin es nicht wert, ihm die Schuhriemen zu lösen. In seinen Predigten hat er dazu aufgerufen, dem Herrn den Weg zu bereiten, ihm die Straßen zu ebnen.

Liebe Schwestern und Brüder, das Hochfest Johannes des Täufers lädt jede und jeden ein, als Original zu leben, so wie Gott jede und jeden von uns gewollt hat. Dazu müssen wir nicht wie Johannes in der Wüste leben, Heuschrecken essen und Kleidung aus Kamelhaar tragen. Darauf kommt es nicht an.

Es kommt vielmehr darauf an, dass wir dem Auftrag Gottes folgen, den er damals Johannes gegeben hat und den Gott heute auch jeder und jedem von uns in seiner bzw. ihrer Einmaligkeit gibt: dass wir Zeugnis geben von Jesus, dem Messias, der größer ist als wir, und dass wir unserem Herrn Jesus Christus den Weg in diese Welt ebnen. Dazu hat jede und jeder als einmaliger Mensch - als Original - von Gott ganz unterschiedliche Begabungen geschenkt bekommen und ist eingeladen, sie zu entfalten.


Ihr und Euer Diakon
Benno Bolze