Impuls

Wort zum Freitag 24.09.2021 Windhauch …

Bild: Benno Bolze

Windhauch …  

Liebe Schwestern und Brüder,

Bei einem Spaziergang an einem See in Brandenburg in dieser Woche verschwindet die Sonne von einem Moment auf den anderen hinter dunklen Wolken. Es kommt Wind auf. Der Wind scheint wie mit einer Harke durch die Bäume zu gehen. Die herbstlich gefärbten Blätter fallen in großer Zahl zu Boden. Es ist eigentlich zu früh dafür. Es ist erst September. Die Sonne kommt an diesem Tag nicht zurück. Sie hat ihre wärmende Bestimmung für den Tag abgegeben an den Wind, der bis zum Abend den Tag bestimmt. Wind, Windhauch.

Der Wind erinnert mich an einen Text aus dem Buch Kohelet aus dem Alten Testament. Dort heißt es:

“Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch. Welchen Vorteil hat der Mensch von all seinem Besitz, für den er sich anstrengt unter der Sonne? Die Sonne, die aufging und wieder unterging, atemlos jagt sie zurück an den Ort, wo sie wieder aufgeht. Es gibt nichts Neues unter der Sonne.“

Und an anderer Stelle lesen wir bei Kohelet: “ Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz“.

Es gibt wohl kaum einen anderen Text in der Bibel, der eindrücklich beschreibt, dass alles seine Zeit hat, dass alles vergänglich ist. Das Weinen geht vorbei, das Lachen hat auch seine begrenzte Zeit. Auch die Zeit der Freude und des Tanzes geht vorüber. Alles hat seine Zeit.

Wichtig ist, so denke ich, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Um was geht es in meinem Leben, was ist in unserer Gemeinde wichtig? Ich komme noch einmal zurück auf den Text von Kohelet: Es gibt eine Zeit zum Sterben. Wie schmerzlich das ist, erleben wir gerade in unserer Gemeinde. In den letzten Tagen sind drei Mitglieder unserer Gemeinde verstorben. Eine Dame im höheren Alter und zwei jüngere Gemeindemitglieder nach langer schwerer Krankheit. Es ist eine Zeit der Trauer für die Angehörigen und Freunde. Es ist eine Zeit der Klage mit all den Fragen, die viele Gemeindemitglieder und auch mich bewegen.

Letztlich geht auch diese Zeit vorüber, so sagt es Kohelet. Unser Trost ist im Himmel. Uns allen gilt die Frohe Botschaft der Auferstehung. Alle Vergänglichkeit hat dann ein Ende. Wir werden Gott unseren Vater schauen wie er ist. Diese Botschaft ist Hilfe in schwerer Zeit.

Dennoch schmerzt der Verlust eines lieben Menschen. Darüber zu schnell hinweg zu gehen, wäre falscher Trost, eher vertrösten als trösten. Wir sind eingeladen, füreinander da zu sein, wie es am letzten Sonntag im Evangelium zu hören war: Dienerin, Diener aller zu sein. Und so zu handeln, wie es die Freunde Hiobs getan haben, als er alles verloren hatte. Sie kamen, bleiben bei ihm und haben die schwere Zeit mit ihm ausgehalten. Dabei ging es nicht um Worte. Es ging darum, das Unsagbare gemeinsam ein Stück in Stille zu tragen. Das fällt uns häufig schwer. Wir meinen, wir müssten unbedingt etwas sagen, etwas Gutes oder Besonderes sagen. Das kann auch richtig sein. Aber unterschätzen wir nicht die Zeit der Stille und die daraus entstehende Hilfe und Gemeinschaft. Die Stille sagt häufig mehr als viele Worte.

Lasst uns füreinander da sein. Das ist für mich das entscheidende Zeichen der Zeit.

 

Dass uns dies immer wieder gelingt, das wünsche ich uns -  

 

Ihr und Euer Diakon
Benno Bolze