Impuls

Wort zum Freitag, 23.12.2022 O IMMANUEL

Liebe Schwestern und Brüder,

O IMMANUEL,

Unser König und Lehrer, du Hoffnung und Heiland der Völker:

O komm, eile und schaffe uns Hilfe, du unser Herr und Gott.

(O-Antiphon des Magnifikat vom 23.Dezember)

 

Die letzten 7 Tage vor dem Heiligen Abend heißen in der Tradition der „hohe Advent.“ Die Zeit der Vorbereitung auf die Ankunft unseres Herrn verdichtet sich und gipfelt schließlich in der Geburt des Erlösers. Vom 17. bis zum 23. Dezember beginnt die Antiphon, der Kehrvers, des Magnifikat in der Vesper mit einem Ehrentitel des Herrn, der seine Bedeutung für die Menschen hervorhebt. Jede Antiphon beginnt mit „O-“. Deshalb werden sie O-Antiphonen genannt.
Das O am Anfang jeder Antiphon, unterstreicht das sehnsüchtige Bitten. Endlich, endlich soll der verheißene Messias kommen. Jede Christus-Anrufung mündet schließlich in die Bitte „Komm!"
Mit jeder dieser Bitten wird die Dringlichkeit deutlicher, mit der wir auf die Ankunft des Erlösers warten.

Heute nun am 23.12. wird die 7. und letzte O-Antiphon gebetet, sie ist die einzige, die nicht mit einem Symbolwort beginnt, sondern mit einem Namen: O IMMANUEL

Die vorherigen sechs haben ganz unterschiedlich das Messiasgeheimnis beleuchtet.

O WEISHEIT, ... o komm und offenbare uns den Weg der Weisheit und Einsicht

O HERR, … komm, o Herr, und erlöse uns mit deinem starken Arm

O SPROSS AUS ISAIS WURZEL, … komm, o Herr und erlöse uns, zögere nicht länger

O SCHLÜSSEL DAVIDS, … o komm und öffne den Kerker der Finsternis und die Fessel des Todes.

O MORGENSTERN, … o komm und erleuchte, die da sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes

O KÖNIG ALLER VÖLKER, … O komm und errette den Menschen, den du aus Erde gebildet

In der Geschichte wurden auch vorher schon Menschen als König, Heilsbringer oder Sehnsucht der Völker bezeichnet. Aber nur Jesus ist der Immanuel, der Gott-mit-uns. Er ist Gott und Mensch zugleich und stellt durch Wort und Tat seine Vollmacht unter Beweis.
Dieses „Gott-mit-uns“ ist nicht nur ein Name oder eine Bitte, es ist ein Glaubensbekenntnis: Gott ist mit uns!
Die Antiphon macht das mit ihrem letzten Teil noch einmal deutlich: Wer diesen Gott anruft sucht Hoffnung, Halt und Heil. In Immanuel zeigt sich nicht ein allmächtiger, durchdringend schauender, streng richtender, Angst einjagender Gott. Dieser Gott ist bei den Menschen! Er hat sich in der Heilsgeschichte immer wieder dem Volk Israel als einer gezeigt, der da ist. Er hat es aus dem Sklavenhaus Ägypten herausgeführt und 40 Jahre lang durch die Wüste begleitet.

Die Anwesenheit dieses Gottes bringt Frieden. Wir würden Weihnachten fehlinterpretieren, wenn wir es nur als historisches Geschehen sehen. Dieser „Gott-mit-uns“ bleibt nicht irgendwo draußen, sondern ist in uns drinnen. Er ist nicht Vergangenheit in der Hoffnung, dass er in der Zukunft eingreifen wird. Seine Anwesenheit, die an Weihnachten immer wieder spürbar und in uns gegenwärtig ist, die bringt echten Frieden – in uns und in die ganze Welt.

Von dem Jesuiten Angelus Silesius stammt der Satz: „Wird Christus tausendmal in Bethlehem geboren und nicht in dir, du bleibst doch ewiglich verloren.“
Es kommt darauf an, dass dieser Gott-mit-uns zum Gott-mit-mir und Gott-in-mir wird. Mein Herz sollte die Krippe sein, in der er Aufnahme findet und zu meinem Gott wird. Dann kann ich mit Thomas sagen: „Mein Herr und mein Gott!“

Diese letzte O-Antiphon fasst das ganze Flehen der letzten Tage zusammen und unterstreicht: „Mach schnell Herr, zeige dich uns, es ist höchste Zeit.“

So wünsche ich uns allen ein tiefes Erleben dieser Ankunft des Göttlichen Kindes in uns und eine gesegnete Weihnachtszeit

Im Gebet verbunden

Ihr

Diakon Joachim Sponholz