Impuls

Wort zum Freitag 21.05.2021 Der Heilige Geist bewegt!

Der Heilige Geist bewegt!  

Liebe Schwestern und Brüder,

vor wenigen Tagen haben wir das Fest Christi Himmelfahrt gefeiert. Was steht ihr da und schaut zum Himmel? Das war die Frage an die Jünger am Himmelfahrtstag. Jesus ging zum Vater und die Jünger standen da und schauen zum Himmel. Wie mag es ihnen ergangen sein?

Vielleicht werden sie gestaunt haben. Wie kann das sein? Warum geht er jetzt? Wir sind ihm gefolgt auf seinem Weg bis hin nach Jerusalem, wo er gekreuzigt wurde. Er ist gestorben und unsere Freude war groß als er auferstanden war. Er war wieder bei uns. Es war einfach gut so, der Tod ist überwunden, kann Christus nicht immer bei uns sein? Oder vielleicht waren einige noch immer ungläubig oder konnten das nicht verstehen, was geschehen war. Wenn wir jetzt anderen von Tod und Auferstehung Jesu berichten, glaubt uns das ja doch niemand.

Oder vielleicht haben auch einige der Jünger die Tragweite dessen erkannt, was da gerade geschehen ist, was das für sie bedeutet. Jesus hatte ihnen gesagt: Gehet hin zu allen Völkern, macht alle Menschen zu meinen Jüngerinnen und Jüngern. Tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Als Jesus noch bei ihnen war, war das noch einfach, denn der Meister war immer in der Nähe. Jetzt war er weg, im Himmel. Nun sind sie dran. Sie haben Verantwortung für die Weitergabe des Glaubens. Mit Unterstützung von oben natürlich: Ich bin bei euch alle Tage eures Lebens, so hat Jesus gesagt. Dennoch: Es wird es ernst. Ihr werdet auf alle mögliche Weise verleumdet und verfolgt werden. Ist das meine Zukunft in der Nachfolge? Was wird mich da erwarten?

In der Heiligen Schrift lesen wir, dass die Jünger nach dem Himmelfahrtsereignis wieder zurück nach Jerusalem gegangen sind in das Obergemach, wo sie ständig blieben, zusammen mit Maria, der Mutter Jesu, und den anderen Frauen. (Der auf dem Bild zu sehende Raum wird heute als das beschriebene Obergemach in der Stadt Jerusalem angesehen.)

Dort beteten sie zusammen und sie werden das Brot gebrochen haben. Tut dies zu meinem Gedächtnis, so hatte Jesus es ihnen aufgetragen. Dabei kann ich mir die Zeit bis zum Pfingstereignis nur schwer so vorstellen, dass es ausschließlich eine Zeit der Stille war. Sie werden ins Gespräch gekommen sein. Nicht nur das, sie werden sicher auch miteinander diskutiert haben. Denn da war Petrus, der öfter mal mit dem Mund vorweg war um es vorsichtig zu sagen. Da war Simon der Zelot, Anhänger der militärischen Widerstandsbewegung gegen die römische Besatzungsmacht, und der gar nicht so ungläubige, sondern entschiedene Thomas, der früher einmal gesagt hatte: Herr, wir gehen mit dir nach Jerusalem, auch wenn wir dafür sterben müssen.

Sie werden geredet haben über die Zeit mit Jesus, wie schön es war nach seiner Auferstehung, über die Zweifel, die trotz allem blieben und werden darüber diskutiert haben, wie es weitergehen sollte, wie sie die Botschaft der ganzen Welt verkünden sollen. Der Auftrag der Verkündigung hat sie miteinander verbunden und sie waren sich einig, dass es ohne die Kraft von oben - den Beistand, den Hl. Geist - nicht gehen wird. Darum haben sie um ihn gebetet.      

Ich komme noch einmal zurück auf die unterschiedlichen Charaktere der Jünger und möchte sie verbinden mit den Erfahrungen unserer Zeit und der Frage: Welche der drei Haltungen liegt Ihnen näher, ist Ihnen vertrauter?

Ist es der, der sagt: Es ist alles so schön in der Kirche. Gut gestaltete Gottesdienste am Sonntag, auch unter Einschränkungen. Hier ist die Nähe Gottes spürbar, hier will ich bleiben. Lass uns hier drei Hütten bauen, so wie es auch die Jünger auf dem Berg der Verklärung gesagt hatten. Wir haben uns als Kirche gut aufgestellt auch wenn man die aktuellen Herausforderungen und Probleme sieht. Eine Öffnung auf die Welt draußen vor den Türen der Kirche ist nicht unbedingt notwendig. Glaube ist ein Geschenk Gottes. Deshalb ist er verantwortlich für die Weitergabe des Glaubens. Es ist also alles getan. Wir warten auf die Wiederkunft des Herrn.

Oder ist es der oder die Zweifelnde: Ja, Jesus hat gelebt, das wissen wir auch aus nichtchristlichen Überlieferungen. Er hat eine bessere Welt gepredigt, mehr Nächstenliebe usw. Er ist gekreuzigt worden, weil er den Mächtigen im Weg war. Auferstehung? Unwahrscheinlich. Höchstens in der Hinsicht, dass seine Botschaft der Nächstenliebe, der Solidarität weiterlebt. Aber dass er wirklich auferstanden ist und den Jüngern erschienen ist - oder auch die Himmelfahrt, das glaube ich nicht.

Oder ist es der oder die Dritte mit einer anderen Haltung: Wir müssen die Dinge angehen, hinausgehen bis an´s Ende der Welt und die Frohe Botschaft verkünden. Wir müssen uns einsetzen für die Sache Jesu, uns mit dem Zeitgeist auseinandersetzen. Auch wenn uns ein rauer Wind um die Nase weht und wir als Kirche kritische Fragen hören werden. Aber, so sagt es Papst Franziskus: Mir ist eine verbeulte, schmutzige Kirche lieber, als eine Kirche die aufgrund ihrer Bequemlichkeit und Verschlossenheit krank ist. Wir müssen uns einbringen in den Dialog der Kirchen, in den Diskurs der Wissenschaften, uns einmischen in die Diskussionen in Politik und Gesellschaft, gerade wenn es um ethische Fragen, um die Fragen des Lebens geht. Aber nicht nur diese Themen gehen uns an, sondern auch Fragen der Wirtschaft, der Globalisierung, der gerechten Verteilung der Güter. 

Wie damals im Obergemach, so gibt es auch heute mindestens diese drei Haltungen in der Kirche: den Bewahrer, den Zweifler und den, der voller vertrauen und Hoffnung den Aufbruch wagt.

Alle drei sind von Bedeutung. Probleme entstehen dann, wenn es um Einseitigkeit geht, wenn von oben herab gelehrt wird, wenn die Bereitschaft zum Dialog fehlt.

Unabhängig davon, welcher der drei Haltungen Sie näher stehen, uns alle eint - wie damals - der Auftrag der Verkündigung, das ist der Maßstab: Geht hinaus in alle Welt, der Auftrag hat nichts an Aktualität verloren, ganz im Gegenteil!

Wagen wir also diesen Aufbruch! Allein können wir das nicht schaffen, beten wir gerade jetzt in der Vorbereitung auf das Pfingstfest - dem Geburtstag der Kirche - um den Heiligen Geist, denn der Geist hilft unserer Schwachheit auf und bewegt uns.

Diese Erfahrung wünsche ich Ihnen, Euch, uns allen -  

Ihr und Euer Diakon
Benno Bolze