Impuls

Wort zum Freitag 20.08.2021 Hört doch mal rein

Bild: Sonja Schek, Ausschnitt des Orgelspieltischs der Seifert Orgel in Salvator-Lichtenrade

Hört doch mal rein, Wochenimpuls, Freitag, 20.08.21

Bevor ich morgen in den Urlaub an die Nordsee aufbreche, sehe ich in die Tageslesungen von diesem heutigen Freitag vom 20. August, dem Fest des Heiligen Bernhard von Clairvaux, dem Begründer der Zisterzienserordensgemeinschaften. Es ist ein Orden, der sich durch eine sehr hohe Kontemplativität auch in Einsamkeit der einzelnen Mönche auszeichnet. In der Architektur der Zisterzienserklöster zeigt sich dies in vielen kleinen Einzelzellen für die Ordensmitglieder.

Ich bin in Vorfreude auf eine entspannte Zeit…

Vorfreude, Freude, entspannt… ich frage mich, wieviel von dieser rein privaten, weltlichen  Freude, die für uns alle selbstverständlich ist, in unseren Gottesdiensten ankommen darf und kann? Warum? Der heutige Psalm 146 aus den Tageslesungen, auf den ich mich beziehen möchte, ist Teil des großen Hallels, einer Sammlung von außerordentlichen Jubelpsalmen. An dieser Stelle habe ich schon einmal die verschiedenen Teile der 150 Psalmen betrachtet: Es gibt Bußpsalmen, Fluchpsalmen … und heute aber einen der großen Jubelpsalmen. Ich provoziere mal: Wieviel Verstand verträgt der Jubel? Wieviel Verstand verträgt der Jubel, den wir an Gott richten? Wer je im Chor mit mir gesungen hat, weiß, wieviel Jubel ich von jedem Sänger, jeder Sängerin im Chor erwarte, und wie unendlich gut es uns tut, wenn dieser Jubel befreit klingen kann. Dann natürlich mit der gleichen Konsequenz genauso viel innere Betroffenheit in einem Bußgesang oder Karfreitags-Klagegesang. Innere Beteiligung macht uns authentisch.

Die Antwortpsalmen nach den Lesungen im Gottesdienst werden durch das Hallel Jahwe, das Halleluja, als tatsächlich jubelndem Begrüßungsruf des Evangeliums, dem Wort Gottes, fortgeführt. Wir rahmen in Salvator das Evangelium sogar durch diesen Jubelruf ein. Aus den uralten Aufzeichnungen der Psalmen können wir entnehmen, dass sie gesungen wurden, und mit einfacher instrumentaler Begleitung zur Freude der Zuhörenden, aber vor allem zum überaus freudigen Lob Gottes vorgetragen wurden. Überaus freudig, weil dieser Psalm heute, der Psalm 146, zum großen Hallel gehört. Soweit der Ursprung.

Ich selbst empfinde die Psalmtexte zutiefst und verweile oftmals bei einem Wort, das mir persönlich wichtig erscheint.  Die deutschen mittelalterlichen Formen, die die Psalmen in ein melodisches Muster, eher ein Korsett, gepresst haben, scheinen mir schon keine dem Jubel zuträgliche Form zu sein. Wenn ich aber bedenke, dass kontemplative Ordensbrüder uns die Melodien erhalten, aufgeschrieben und letztendlich übermittelt haben, dann ergibt die eher verstandesgeprägte Form wieder Sinn. Aber Musik sollte nicht verstandesgeprägt sein, ist es nie gewesen, sondern sie kann alle Sinne wecken. Aus meiner Sicht ist das Lob Gottes vollkommen, wenn ich eine Gänsehaut bekomme, wenn alle Sinne geschärft und bei Gott sind, wenn ich mich auf die Freude konzentriere… , das gänzliche Einlassen wird ja auch beim Bußakt von mir erwartet… Hmm… Wie wäre es nun, wenn  wir mit eben jener Melodie große Freude verbänden? -… wie vielleicht mit dem kindlichen „Lasst uns froh und munter sein“. ..ein Lächeln kommt automatisch, oder?

Wenn also die Form nicht eben zum Jubel beiträgt, dann doch aber vielleicht wenigstens unsere innere Haltung? Hallel Jahwe, Halleluja, … wir stehen dazu auf - … es reißt uns von den Sitzen?! Ich möchte hier einen Appell an Euch, an Sie richten, eine Ermutigung!!! Vielleicht versuchen wir doch einmal zum Gloria, dem großen Jubelhymnus im Gottesdienst und zum Halleluja zu lächeln. Ja, ganz mechanisch… das Herz wird sich dann schon erinnern… beim Lächeln bin ich froh! Lächeln wir singend Gott zu, der uns trägt, der uns so viel Kraft schenkt, der uns begleitet und entlastet als DRITTER der Liebe in unserem zwischenmenschlichen  Miteinander. Durch moderne Klänge hat eine bekannte jüdische Pop-Sängerin den Psalm 146 zum Leben erweckt. Sie tanzt am Meer dazu, dennoch bleibt es in meinen Augen schlicht. Nicht, dass ich ab morgen den liturgischen Tanz einführen möchte. Aber die innere ausgelassene jubelnde Haltung, die empfinde ich bei der Sängerin Elihana Elia einfach mit. Mir erscheint diese Interpretation des Psalmes heute als besonders passend, da ja alle Psalmen jüdischen Ursprungs sind. Eine neuzeitige jüdische Interpretation des Jubelliedes ist für mich umso spannender. Vielleicht lest Ihr, lesen Sie zunächst den Psalm 146 in der Bibel. Lasst Euch dann mitnehmen in den Jubel. Lasst ihn in Euer Herz, lasst den Alltag einmal los und vergesst nicht, beim nächsten Gloria und Halleluja vielleicht zu lächeln als Ausdruck eurer innerlich beteiligten Freude.

Man wird es hören können! :-) https://www.youtube.com/watch?v=YzCeQfNhlQw

Auf ein Wiedersehen nach dem Urlaub und bleibt alle gesund!
Ihre und Eure
Sonja Schek, Kirchenmusikerin