Impuls

Wort zum Freitag, 19.11.2021 Brot und Rosen

Brot und Rosen  

Liebe Schwestern und liebe Brüder,

wir feiern heute das Fest der Heiligen Elisabeth. Im Jahr 1207 wurde sie als Tochter des ungarischen Königs Andreas II. und Gertrud von Andechs geboren. Es war die Zeit der Kreuzzüge aber auch die Zeit einer neuen Armuts- oder auch Aufbruchsbewegung in der Kirche. Die sogenannten Bettelorden der Franziskaner und Dominikaner entstanden. Die Ordensleute wollten in Einfachheit und Armut leben, um so Christus nachzufolgen.

Elisabeth musste schon im Alter von vier Jahren ihre ungarische Heimat verlassen, da sie mit einem Sohn des damaligen Landgrafen von Thüringen, Herrmann I., verlobt wurde. Elisabeth kam nach Thüringen und lebte am Hof Herrmanns auf der Wartburg in der Nähe von Eisenach.

Da ich im Eichsfeld in Thüringen aufgewachsen bin, war die Wartburg nicht weit. Ein Besuch auf der Wartburg war ein besonderes Ereignis. Die Burg, die man schon von weitem sehen konnte, die hohen Türme und die kunstvoll gestalteten Innenräume. Vor allem aber waren die Geschichten spannend, die bei der Burgführung erzählt wurden vom Sängerwettstreit, der 1207 auf der Wartburg stattfand, und natürlich von der Heiligen Elisabeth. Die Geschichte vom Rosenwunder ist mir von damals noch in Erinnerung:

Durch die Heirat gehörte Elisabeth der obersten Schicht der damaligen Gesellschaft, dem Adel an. Dennoch hatte sie ein Herz für die Menschen, die in Not waren. Sehr oft ist sie von der Burg nach unten in die Stadt Eisenach gegangen und hat dort alte und kranke Menschen gepflegt, hat ihnen Brot gebracht, so dass sie überleben konnten. Das hat der adeligen Familie auf Dauer nicht gefallen und so wurde jemand aus der Familie beauftragt, sie zur Rede zu stellen. So kam es dann auch. Auf ihrem Weg nach Eisenach wurde sie aufgefordert, den Korb zu öffnen, mit dem sie Brot zu den Armen brachte. Nach einigem Zögern öffnete sie den Korb und war überrascht, dass der Korb voller Rosen war.

Wir können heute nicht nachweisen, was damals wirklich geschehen ist, wie das war mit dem Brot oder den Rosen. Die Geschichte vom Brot und den Rosen erinnert mich aber an das, was wir zum Leben brauchen: Brot und Rosen.

Brot steht für das tägliche Brot, die Nahrungsmittel, die Kleidung, das Obdach, das soziale Netz in unserem Land. Die Rose steht für das gute Wort, für Zuneigung, menschliche Nähe, für Vertrauen, für die Liebe.

Brot und Rosen, beides ist notwendig, um leben, um überleben zu können. Viele Menschen - auch in unserem Land - haben nicht das, was sie zum Leben brauchen. Es fehlt an Brot und Rosen.

Das Leben der Heiligen Elisabeth, vor allem wie sie sich um Menschen in Not gesorgt hat, und auch die Geschichte vom Rosenwunder sind sehr eindrücklich. Das Fest der Heiligen Elisabeth lädt uns ein, Brot und Rosen zu verschenken, um so für andere da zu sein, wie Jesus es uns vorgelebt hat. Damit sind nicht nur wir selbst die, die verschenken, sondern auch der Herr selbst schenkt durch uns. Brot und Rosen weisen somit auf Christus hin, der sich uns schenkt im eucharistischen Brot, der uns mit seiner Liebe entgegenkommt.

Beides schenkt er uns, denn er möchte, dass jeder Mensch ein Leben in Fülle hat.    

Ihr und Euer Diakon
Benno Bolze