Impuls

Wort zum Freitag 16.04.2021

Da bist du aber auf hoher See!

          

Liebe Schwestern und Brüder,

Der Impuls am heutigen Freitag ist ein Ausblick auf das Evangelium des morgigen Samstags aus dem Johannesevangelium: Da lesen wir, dass die Jünger abends in ein Boot gestiegen sind. Sie fuhren über den See Genezareth auf Karfarnaum zu. Jesus war nicht bei Ihnen und sie sind in Seenot geraten. Dann kommt Jesus auf sie zu und sagt: Fürchtet Euch nicht. In diesem Moment waren sie an Land.

Bei einem Besuch in Galiläa vor zwei Jahren waren wir auch am See Genezareth, der auf dem Bild zu sehen ist. An einem der Tage dort war es kalt. Es regnete, es war Sturm. Mir fielen die Worte aus dem Evangelium ein und ich konnte zumindest etwas nachvollziehen, wie es den Jüngern damals da draußen abends auf hoher See ergangen war. Gleichzeitig war ich aber auch froh, jetzt nicht auf einem Holzboot auf dem See zu sein.

 

Da bist du aber auf hoher See! Diesen Satz haben wir in unserem Leben sicher schon gehört oder haben ihn selbst schon einmal zu jemandem gesagt. Meist ist dieser Satz etwas scherzhaft gesagt, wenn jemand eine Meinung hat, die gewagt ist oder wofür es keine nachvollziehbare Begründung gibt.

Dieser Satz kann aber über diese Bedeutung hinaus eine sehr ernste Bedeutung haben. Jeder von uns macht in seinem Leben die Erfahrung, dass der Boden unter den Füßen nicht immer fest ist.

Das betrifft auch Glaubensfragen. Am letzten Sonntag haben wir das Evangelium vom sogenannten ungläubigen Thomas gehört. Das Evangelium so zu bezeichnen wird dem Text nicht gerecht, denn auch dieser kurze Text aus dem Johannesevangelium schenkt uns eine Vielfalt an Möglichkeiten unser Leben zu gestalten. Dabei wird auch das Thema Zweifel angesprochen, was kein Widerspruch ist. Thomas, einer der Zwölf, hat Zweifel geäußert. Zweifel, Glaubenszweifel haben damals auch zum Leben der frühen Kirche gehört. Thomas hat sie zur Sprache gebracht und letztlich haben seine Worte ihn noch näher zum Auferstandenen Herrn Jesus Christus gebracht, denn von ihm, den sogenannten Zweifler, wird beschrieben, dass nur er die Wunden des Herrn wirklich berührt hat. Zweifeln zulassen und zur Sprache bringen, bringt uns näher zu Christus. Mir ist es häufig zu einfach, wenn in der Kirche gesagt wird: So ist es und nur so geht es und wir können und dürfen nicht anders! Gleichzeitig wird der Eindruck vermittelt, dass genau bekannt ist, was Gott will. Wer kann das sagen, wer hat die Gedanken des Herrn erkannt? Niemand. Fragen werden nicht dadurch beantwortet, dass man nicht über sie reden darf und Zweifel werden durch Forderungen nicht aufgelöst. Thomas hat den Zweifel zugelassen, hat gesagt, dass ihm der feste Halt fehlt, dass er auf hoher See ist. Und gerade er und der auferstandene Herr sind sich besonders nahe. Zweifel und Fragen haben ihn zu einer neuen und sicher auch intensiveren Beziehung zum Herrn gebracht, so dass er wieder festen Boden unter den Füßen hatte, dass er mit Christus wieder an Land kam.

Auch in anderen Zusammenhängen fehlt uns im Leben der feste Boden unter den Füßen. Die Stürme des Lebens brechen über einen herein, Vertrautes ist weit weg. Man droht zu versinken, wenn schwere Krankheit das Leben bestimmt. Das ganze Leben muss neu organisiert werden, soweit es geht. Der Abend, die Nacht nimmt kein Ende. Gerade auch in Zeiten der Krankheit kommt Christus den Menschen entgegen. Eine ältere Dame, die an Krebs erkrankt war und wusste, dass ihr Leben auf wenige Tage begrenzt ist, sagte mir bei einem Besuch, dass Jesus bei ihr ist und dass er sie nach dem Tod erwartet Das war nicht nur für sie sicherer Boden, sondern auch für mich sicher Boden und ein Zeichen der Hoffnung. Am Ende des Gesprächs habe ich ihr eine gute Reise gewünscht und ihre Antwort war: Vielen Dank, ich muss nicht einmal die Koffer packen.  

 

In Zeiten der Unsicherheit, wo der feste Halt fehlt, wo man auf hoher See ist, ist der Herr uns nahe.

Ebenfalls morgen, im ersten Psalm in den Laudes spricht der Psalmist von der Treue des Herrn in den Nächten, in den schweren Zeiten des Lebens, dass er darüber dankbar ist und dass er dies verkünden möchte.

Das wünsche ich uns, liebe Schwestern und Brüder, dass wir die Erfahrung der Nähe Gottes in den guten und schweren Zeiten unseres Lebens machen, dass er uns an´s Ufer einer neuen Beziehung zu ihm bringt.

 

Ihr und Euer Diakon
Benno Bolze