Impuls

Wort zum Freitag, 14.01.2022 Rede, Herr …

Rede, Herr …

Liebe Schwestern und liebe Brüder,

mit den Wochenimpulsen geht es nach einer kurzen Unterbrechung über den Jahreswechsel nun weiter. Auf der Homepage der Gemeinde Salvator erwarten Sie und Euch freitags wieder Texte und Gedanken, die die im Pastoralteam Mitarbeitenden gern als Anregung zum Nachdenken, zum Fragen, zum Meditieren, zum Nachhören, vielleicht auch als kleines Hoffnungszeichen und gern auch zum Mitnehmen für andere zur Verfügung stellen. 

Die ersten Gedanken für den heutigen Impuls habe ich vorgestern, am Mittwoch, nach der Eucharistiefeier aufgeschrieben. Die Lesung war aus dem ersten Buch Samuel: die Berufungsgeschichte des Samuel. Die ersten Zeilen der Lesung sind auf dem Bild zu sehen. In der Geschichte geht es um den jungen Samuel, der unter der Aufsicht des Priesters Eli Dienst im Tempel tat. Dort standen die Bundeslade und daneben eine Lampe, die Lampe Gottes. In der Nähe schlief Samuel. Mehrfach ruft der Herr den Samuel. Samuel erkennt nicht, dass es der Herr ist, der ruft. Er meint, dass Eli ihn ruft, und geht zu ihm.

Auch Eli hat diesen Ruf zunächst nicht als Wort des Herrn verstanden. Auch als erfahrener Priester hat er nicht damit gerechnet, dass der Herr zu ihm spricht. Denn das Wort des Herrn war selten in der damaligen Zeit, so steht es in der Lesung. Als der Herr zum dritten Mal ruft, erkennt Eli den Ruf des Herrn und weist Samuel darauf hin, so dass Samuel beim nächsten Ruf des Herrn antworten kann: Rede, Herr, dein Diener hört.

Samuel lebte um das Jahr 1000 vor Christus. Die Samuelgeschichte ist ein Text aus früher Zeit und dennoch aktuell.

Im Text der Lesung heißt es: Die Lampe Gottes war nicht erloschen. Gemeint war die Lampe, die neben der Bundeslade leuchtete. Das hatte zunächst den ganz einfachen Grund, dass es hell sein sollte im Tempel. Die Lampe hatte aber noch eine andere Bedeutung: Sie war ein Symbol dafür, dass der Herr da ist, dass der Herr bei seinem Volk ist, auch wenn seine Worte damals selten waren.

Auch heute kann man den Eindruck haben, dass die Worte des Herrn selten sind. Aber wie in der Zeit Samuels spricht der Herr auch zu uns.

Der Herr begegnet uns dabei nicht als Marktschreier, sondern er spricht in leisen Tönen, die wir leicht überhören können. Wir sind eingeladen, auf diese leisen Worte des Herrn zu hören und die leuchtenden Zeichen seiner Gegenwart unter uns wahrzunehmen.

Es ist ein gutes Zeichen, dass viele Menschen dem Ruf des Herrn folgen und sich aus christlicher Überzeugung in der Politik, in Verbänden und Organisationen oder im Gesundheitswesen als Krankenschwester oder Arzt für das Wohl anderer einsetzen. Gerade jetzt in der Zeit der Pandemie wird deutlich, wie wichtig dies ist.

Es ist ein gutes Zeichen, wenn Menschen dem Herrn vertrauen, auch wenn das Leben in Tagen der Krankheit schwer wird.

Es ist ein gutes Zeichen, wenn Menschen ihrer Berufung folgen und sich für einen Beruf in der Kirche entscheiden.  

Es ist ein gutes Zeichen, wenn sich Menschen im Berufsleben oder privat im Gespräch mit anderen für ein solidarisches Miteinander und gegen Ausgrenzung einsetzen.

Diese guten Zeichen geschehen oft im Stillen. Durch Menschen, die aus dem Glauben leben, wird deutlich, dass der Herr auch heute zu seinem Volk spricht.

Die Lampe der Gegenwart Gottes ist nicht erloschen, auch wenn wir in Kirche und Gesellschaft schwere Zeiten erleben. Die Lampe Gottes leuchtet, wenn sich Menschen auf den Herrn einlassen und ihm folgen.

Liebe Schwestern und Brüder, die Samuelgeschichte lädt uns ein, wie Samuel auf das oft leise Wort des Herrn zu hören und wie er zu sagen:

Rede Herr, Deine Dienerin, Dein Diener hört!

Ihr und Euer Diakon
Benno Bolze