Impuls

Wort zum Freitag, 13.05.2022

Foto privat: Pfr Marra; Abendmahlssaal in Jerusalem

In diesen Tagen lesen wir in der Apostelgeschichte, wie die entstehende Kirche Jesu nach und nach ihre Identität findet. Uns ist meistens nicht bewusst, dass am Anfang die Kirche – oder der „Neue Weg“, wie die Gemeinschaft der Anhänger Jesu genannt wurde – fast ausschließlich aus Juden bestand. Die ersten Christen hielten sich noch am Mosaischen Gesetz, an die Gepflogenheiten und Gebetsformen, an die Überzeugungen und Sichtweisen des Judentums.

Es geschah immer wieder und immer mehr, dass auch Nicht-Juden, d.h. aus dem griechischen Glaubens- und Kulturbereich stammende Menschen, das Evangelium Christi, das durch die Apostel mündlich verkündigt wurde, beherzigten und um die Taufe baten. Das war für die Verantwortlichen der sich bildenden Kirche, also für die Apostel und deren engen Mitarbeitern, eine echte Herausforderung. Sie mussten lernen, ihren Blick zu weiten, sich auf Neues einzulassen, zu unterscheiden, was von der jüdischen Tradition in wesentlicher Kontinuität mit dem Christentum stehen bleiben muss und was zurückgelassen werden kann.

Ein Paradebeispiel ist der Bericht, der in den Kapiteln 10 und 11 der Apostelgeschichte nachzulesen ist. Als erster muss Simon Petrus (der „primus inter pares“) lernen, dass die Adressaten der Botschaft Jesu eben auch Heiden sind. Diese wurden als unrein betrachtet und man vermied jeden engen Kontakt mit ihnen. Durch eine Vision wird Petrus von Gott selbst belehrt, dass es in Christus keine Trennung mehr gibt zwischen „Juden und Griechen“ – so wird es Paulus in einem seiner Briefe formulieren. Petrus wird im Haus des römischen Hauptmannes Cornelius Zeuge, wie der Heilige Geist die Herzen, die Seelen, den Verstand dieser Menschen erfüllt, erleuchtet und wandelt. Er erkennt die selben Zeichen der Wirkung der Gotteskraft, die er selbst zusammen mit den Aposteln, etlichen Jüngern und Maria im Abendmahlssaal erlebt hatte.

Nach und nach weitet sich auch der Horizont der anderen Apostel: Gottes Geist will alle Menschen erreichen. Durch Gebet und Fasten, d.h. durch Meditation und Entledigung lernen sie, die Spuren des Willen Gottes zu erkennen und sich vom Heiligen Geist leiten zu lassen. Sie entwerfen nicht von sich aus neue Strukturen, Netzwerke oder Taktiken. Sie horchen, beobachten, entscheiden und revidieren, folgen letztlich den Weisungen der Dreifaltigkeit.

Wir nähern uns dem Pfingstfest, dem Gedenktag der Mitteilung des göttlichen Geistes, der die ersten Christen mit Kraft und Feuer erfüllte und so die Kirche entstehen ließ. Gerade von den Angehörigen und Verantwortungsträgern der Urkirche können wir uns inspirieren lassen, uns an ihrer Haltung ein Beispiel nehmen für die Kirche in unserer Zeit, für unsere neue Pfarrei: die Spuren Gottes in uns und um uns herum erkennen und diesen folgen.

Ich wünsche uns allen segensreiche und fruchtbare Zeit!

Ihr

Pfr. Arduino Marra