Impuls

Wort zum Freitag, 10.06.2022 Hört doch mal rein

Bild: Sonja Schek, Ausschnitt des Orgelspieltischs der Seifert Orgel in Salvator-Lichtenrade

Hört doch mal rein

Das Musikstück, das ich Euch heute ans Herz legen möchte, ist von Johannes Brahms (1833-1897) geschrieben. Es ist die zweite von den zwei Motetten aus op.29,2 für 5-6-stimmigen Chor a capella. „Schaffe in mir Gott ein reines Herz und gib mir einen neuen, gewissen Geist“ – der Text ist aus dem 51. Psalm … Beim bekannten Notenverlag Carus kann man nachlesen, dass die geistlichen A-capella-Chorwerke von Johannes Brahms zu den bedeutendsten romantischen Werken der Gattung, also der Motette gehören. Seine Kompositionen werden vorwiegend der Hochromantik zugeordnet, aber Brahms  zitiert die barocken und klassischen Formen, die Kirchentonarten, den Kanon, Bachs Kontrapunkt, Beethovens motivische Arbeit… und das macht ihn über die Hochromantik hinaus zu einem der bedeutendsten Komponisten der Musikgeschichte. Seine Tonsprache ist unwahrscheinlich dicht und emotional und sehr lange schon stehen seine Werke auf meiner eigenen persönlichen Hitliste, allen voran das „Deutsche Requiem“. Aber die Motetten haben es mir auch angetan. Warum?

„Schaffe in mir Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen gewissen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Tröste mich wieder mit deiner Hülfe, und der freudige Geist erhalte mich.“ Wenn ich einen Liedtext singe, lese, auf der Zunge zergehen lasse, dann ordne ich ihn zunächst in die Epoche ein und interpretiere die religiösen Glaubenssätze, die dort stehen mit meinem heutigen Verständnis von Glauben. Ich bin deshalb mit historischen, spirituellen oder religiösen Texten selten auf dem Kriegsfuß, weil ich weiß, dass der Glaube damals eben so war. Nun  wären meine persönlichen Worte sicher nicht: Verwirf mich nicht von deinem Angesicht. Denn ich darf darauf vertrauen, dass Gott dies nicht tut. Aber wie schön sind doch die folgenden Worte??? Tröste mich wieder mit deiner Hilfe. Dieser Trost ist mir sehr oft zuteil geworden und wenn ich diese Liedzeile höre, wenn es mir nicht gut geht, ich gelähmt bin durch erschütternde Dinge, die geschehen, dann fühle ich mich tatsächlich getröstet. Und für mich geht das über die Musik hinaus. Beim Hören, verbindet sich meine Seele mit dem Gebet oder mit dem Psalm, die der Komponist um seine Emotionen durch die Musik hindurch bereichert hat.   „Geist“ passt noch sehr gut in diese Woche nach Pfingsten… und brauchen wir diesen gewissen, neuen Geist nicht alle? „Und der freudige Geist erhalte mich!“ Schon allein das Wort „freudig“ gefällt mir sehr. Es ist altmodisch und wir benutzen es nicht mehr, aber unter „freudiger Geist“, können wir uns etwas vorstellen. Und dieser freudige Geist möge mich und Euch alle in dieser Zeit erhalten, das wünsche ich uns.

Hört doch mal rein und bleibt achtsam und gesund! www.youtube.com/watch

 

Eure Sonja Schek, Pfarreikirchenmusikerin