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Wort zum Freitag, 09.12.2022 Mariä Empfängnis

Foto Privat: Christian Lehmann (Rückwand des Marienaltares von Herz Jesu Tempelhof)

Am vergangenen 8. Dezember haben wir das Hochfest der Unbefleckten Empfängnis Mariä gefeiert. Dabei geht es um eine der vier Glaubenswahrheiten über Maria – eines der sogenannten „marianischen Dogmen“. Die offizielle Bezeichnung lautet: Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria.

Die katholische Lehre über den Menschen, die in der biblischen Offenbarung gründet, besagt, dass alle Menschen mit einem „Flecken“ auf die Welt kommen, nämlich mit einem Hang zum Bösen. Die ursprüngliche heile Natur des menschlichen Geschlechts ist verletzt, mit der Sünde behaftet. Schon der Hl. Paulus schreibt in seinem Römerbrief (3,23): „Alle haben ja gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren.“ Im folgenden Vers heißt es dann: „Umsonst werden sie gerecht, dank seiner Gnade, durch die Erlösung in Christus Jesus.“
Damit drückt Paulus einen Grundgedanken der Heilstheologie aus: Alle Menschen stehen unter der Sklaverei der Sünde, alle Menschen sind heilsbedürftig. Sie erlangen aber Erlösung – d.h. die „Loslösung“, die Befreiung von der Abhängigkeit von der Sünde – dank der Gnade des Heilswerkes des Sohnes Gottes, Jesu Christi.

In der Reflexion der Christenheit kam schnell die Frage auf, ob denn Maria auch unter dem Einfluss der Sünde stand. Denn eigentlich kann erst ihr Sohn die Menschheit aus dieser Lage befreien. Sie müsste also vor dem Sterben und Auferstehen Jesu auch von der Erbsünde befleckt gewesen sein. Wenn dem so wäre, wie hätte dann Gott bei seiner Menschwerdung in ihr eine „würdige“ Wohnung finden können? Der Hl. Augustinus hat in seiner Schrift gegen Pelagius bezüglich der Heilsbedürftigkeit aller Menschen formuliert: „Ausgenommen aber die heilige Jungfrau Maria, über die ich wegen der Ehre des Herrn überhaupt nicht gehandelt haben will, wenn von der Sünde die Rede ist – woher wissen wir nämlich, was ihr mehr an Gnade zuteil wurde, um in jeder Hinsicht die Sünde zu besiegen, ihr, die würdig wurde, den zu empfangen und zu gebären, von dem feststeht, dass er keine Sünde hatte.“

Der theologische Disput – der in manchen Epochen zu einem regelrechten Streit wurde – ist erst 1854 durch Papst Pius IX. gelegt worden, als er feierlich die Lehre proklamierte: „dass die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein einzigartiges Gnadenprivileg des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erretters des Menschengeschlechtes, von jedem Schaden der Erbsünde unversehrt bewahrt wurde.“

Was bedeutet dieser komplexe Satz konkret? Aus den biblischen Belegen entnehmen wir, dass Gott vor der Erschaffung der Welt schon an den Menschen gedacht hat, und zwar nicht als Abstraktion, sondern an jede einzelne Person, die je existiert hat und existieren wird. Es liegt also auf der Hand, dass er von Anfang an auch an Maria gedacht hat, der er eine besondere Gnade hat zukommen lassen. Ihr wurde schon bei ihrer Zeugung im Schoß ihrer Mutter das Geschenk zuteil, das Jesus erst nach seiner Geburt der ganzen Menschheit geben würde. Das hat zur Folge, dass Maria der Mensch ist, in dem der ursprüngliche Plan Gottes sich verwirklicht, nämlich der Mensch zu sein, der ganz Gott ähnlich ist, in dem sich Gott wieder sieht, der ihn ganz aufnehmen kann. Deshalb kann der Sohn Gottes dieses von ihm im Voraus geheiligte Fleisch ganz annehmen.
Wie ist denn dies möglich? Fragt man sich vielleicht. Hilfreich sind an dieser Stelle die Worte, die der Erzengel Gabriel zu Maria spricht, als er ihr verkündet, dass sie den Sohn Gottes empfangen werde: Für Gott ist nichts unmöglich. Es ist ein Werk des Heiligen Geistes, also ein Werk Gottes selbst.

Dieses liturgische Fest möchte uns Mut machen, in der Hoffnung stärken, dass Gott in der Lage ist, aus jedem von uns den Menschen zu machen, der Gottes Ebenbildlichkeit im höchsten Maße wiedergibt. Maria soll für jeden Christen Modell und Anregung sein, wie ein gottgefälliges Leben gelingen kann. Gleichsam ist sie eine mächtige Fürsprecherin und Helferin in der Not.

Maria, du unbefleckt empfangene Jungfrau und Gottesmutter: bitte für uns!

Ihr Pfr. Arduino Marra