Impuls

Wort zum Freitag, 09.09.2022 Wasser in den Wein gießen

Bild: Benno Bolze

Liebe Schwestern und liebe Brüder,

vor einigen Tagen kam ein Kollege in die Teambesprechung mit guten Informationen. Es gab Grund zur Freude. Darauf antwortete eine Kollegin, dass sie leider etwas Wasser in den Wein gießen muss, denn so, wie es gesagt wurde, stimmt es nur zum Teil. Die Freude war also getrübt.

Das Sprichwort `Wasser in den Wein gießen` ist uns vertraut. Große Hoffnungen und gute Chance wandeln sich von einem Moment auf den anderen in doch nicht ganz so einfach erreichbare Ziele und vielleicht sogar in Enttäuschung. Das Sprichwort stammt aus einer Zeit, in der Gastwirte guten Wein mit Wasser vermischt haben, um ihn dann für gleiches Geld zu verkaufen wie reinen Wein, um daraus Gewinn zu machen.

Als Diakon gieße ich gern Wasser in den Wein, aber nicht wie es in den ersten Zeilen des Impulses beschrieben ist, sondern in einer anderen Bedeutung: In der Feier der Eucharistie reichen die Ministrantinnen und Ministranten bei der Gabenbereitung dem Priester oder dem Diakon, so ein Diakon dem Priester assistiert, die kleinen Kännchen mit Wein und Wasser. Dann wird zunächst der Wein in den Kelch gegossen und danach etwas Wasser. Dabei spricht der Priester oder der Diakon das Gebet:

Wie das Wasser sich mit dem Wein verbindet zum heiligen Zeichen, so lass dieser Kelch uns teilhaben an der Gottheit Christi, der unsere Menschennatur angenommen hat.

Dieses kurze Gebet erschließt die Bedeutung der liturgischen Handlung, die nichts damit zu tun hat, Wein zu sparen oder den Wein zu verwässern. Das Wasser im Wein bedeutet, dass wir mit Christus untrennbar verbunden sind. Wir sind in seine Gottheit hineingenommen. Wir sind schon jetzt in ihm. In ihm leben wir bewegen wir uns und sind wir. Wir sind von seiner Art, so lesen wir es in der Apostelgeschichte (Apg 17,23). Jesus selbst sagt, dass wir mit ihm verbunden sind. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Getrennt vorn mir könnt ihr nichts vollbringen (Joh 15,5). Sind wir mit Christus verbunden, so haben wir Anteil an seinem Leben, seinem Sterben und seiner Auferstehung. Das hat er uns zugesagt, wie wir es auch beim Evangelisten Johannes lesen: Ich gehe hin, um euch eine Wohnung zu bereiten. Damit auch ihr dort seid, wo ich bin (Joh 14,2-4).

Durch diese kleine liturgische Handlung, die häufig kaum wahrgenommen wird, wird dieses Einssein mit Christus zeichenhaft vollzogen.

 

Das Gießen des Wassers in den Wein wird vom Priester oder Diakon stellvertretend für die Gemeinde vollzogen. Deutlich wird dies an den Worten des Gebetes: so lass auch uns, also die Gemeinde, nicht allein den, der diese Handlung vollzieht, teilhaben an der Gottheit Christi. Die Handlung am Altar, das Gebet und die Bedeutung für die Gemeinde kommen für mich immer eindrucksvoll zusammen, wenn wir zur Gabenbereitung die dritte Strophe singen aus dem Lied `Was uns die Erde Gutes spendet` (Gotteslob Nr. 186): Wie Wein und Wasser sich verbinden, so gehen wir in Christus ein. Wir werden die Vollendung finden und seiner Gottheit teilhaft sein.

Vielleicht achtet Ihr, achten Sie bei der nächsten Eucharistiefeier mal besonders auf diesen Moment, in dem sich das Wasser mit dem Wein verbindet und vollzieht diese Handlung im Herzen mit.

 

Ihr und Euer Diakon
Benno Bolze