Impuls

Wort zum Freitag 09.07.2021

Sommerzeit ist die Zeit der Freude

Zumindest für alle Schülerinnen und Schüler ist die Ferienzeit eine Zeit der Freude und ich denke in diesem Jahr auch für alle Eltern und auch Großeltern. Ein weiteres Schuljahr, dass nicht so war, wie die all anderen Schuljahre. Für alle die keine Schulkinder mehr in ihrer Familie haben, ist die Sommerzeit doch auch besonders. Ich höre mehr Menschen auf den Straßen lachen, jetzt wo auch wieder die Cafes offen sind, sieht man dort Menschen sitzen, die fröhlich aussehen und das Leben genießen. Mit Freude lassen sich die Sorgen des Lebens für einen Augenblick vergessen und der Alltag wird ausgesperrt. In jedem Lachen steckt für mich die Sehnsucht nach Freude, Glück und einer Leichtigkeit, die ich im Sommer besonders spüre.

Woher kommt diese Freude und Fröhlichkeit? Sicherlich spielen die Natur und die Sonnenstrahlen eine große Rolle. Doch ich bin fest davon überzeugt, dass die richtig echte Freude, die vollkommen ist, nur von Gott kommen kann. Die große Frage ist, wie ich sie finden kann oder ob sie sich überhaupt finden lässt. Vielleicht ist sie das Ergebnis einer jahrelangen Suche oder manch einer findet sie auch nie. Wir Menschen sind zunächst so gestrickt, dass wir versuchen mit weltlichen Dingen, diese Freude zu finden und so vielleicht auch Gott austricksen wollen. Ich denke nicht, dass das klappt. Gott lässt sich nicht austricksen. Frühe Christen suchten die vollkommene Freude in der Wüste, der Weg führte für sie über den Verzicht auf jegliche irdische Freude. Augustinus hat den feinen und ganz bewussten Unterschied zwischen den Freuden der Welt und der Freude, die aus Gott kommt so beschrieben: „…es gibt eine Freude, welche den Gottlosen nicht zuteil wird, sondern nur denen, welche dir um deinetwillen dienen und deren Freude du selbst bist, und das eben ist das glückselige Leben, sich an dir, nach dir und deinetwegen zu freuen; das ist’s und kein anderes. Die aber ein anderes dafür halten, suchen eine andere Freude, die nicht die wahre ist. Immer jedoch ist es ein Abbild von Freude, dem ihr Wille zugewandt bleibt.“

Und ist es dann so, dass die vollkommende Freude in mir wurzelt und einen festen Anker findet? Wird sie so stark, das auch Stürme um mich herum, mich nicht erschüttern können? Franz von Assisi hat eine Antwort auf diese Frage. Seine Antwort ist: wer seine innere Ruhe nicht verliert – selbst dann nicht, wenn die äußeren Umstände gegen ihn stehen, der hat sie für sich gefunden. Kein Leid der Welt kann wahre Freude trüben, kein Glück der Welt kann sie mehren.

Bedeutet dass dann aber auch, dass ich mich nicht auf den Sommer freuen darf, weil meine Freude eh nicht echt ist? Nein, im Sinne der Unterscheidung der Geister gilt es zu hinterfragen, woher kommt sie und wo führt sie hin? Welche Motivation liegt in meinen Anstrengungen? Ist es eine kurze Freude, ein kurzer Kick oder ist sie ein Vorbote auf die vollkommene Freude. Die Freude über eine schöne Landschaft, über die Menschen, die ich liebe, über kleine Gesten anderer für mich. Das Miteinander in Gottes geschaffener Welt – als Vorbote auf das, was uns Christen versprochen ist: Freude, die alles bisher erlebte übersteigt! Diese Freude lässt sich nur mit offenem Herzen empfangen.

So wünsche ich Ihnen in dieser Sommerzeit offene Augen für Gottes Welt, offene Ohren für Gottes Geschöpfe und ein offenes Herz, das Erlebte aufzunehmen.

 

Herzliche Sommergrüße,
Ihre Anja Schmidt. (Gemeindeassistentin)