Impuls

Wort zum Freitag 08.10.2021 Rosenkranzmonat Oktober

Bild: Anja Schmidt

Rosenkranzmonat Oktober

2019 war ich in Vancouver an der kanadischen Westküste. Ich trage viele Erinnerungen an diese Tage dort. An eines erinnere ich mich allerdings besonders gut. Die „Hedwigkathedrale“ des Erzbistums Vancouver heißt „Holy Rosary Cathedral“ – die Rosenkranzkathedrale. Eine kleine wunderschöne weiße Kirche inmitten der Hektik einer Großstadt, inmitten der riesigen Hochhäuser. Wenn man sie betritt, bekommt man ganz selbstverständlich einen Rosenkranz – aus Plastik – in die Hand gedrückt. Ich kann mich noch gut an die verwirrten Blicke meiner Kinder erinnern. „Häh – wozu is’n das?“ fragte mein Ältester. Nach einer kurzen Erklärung meinerseits erntete ich ein genervtes „Krass, wie langweilig kann beten denn eigentlich sein?!“

Ja, vielleicht scheint es für Außenstehende langweilig erscheinen den Rosenkranz zu beten. Für mich ist es aber eher so, dass sie dann nicht verstanden haben, worum es geht. Der Rosenkranz ist nicht das Gebet der Gedankenlosen, sondern der Nachdenklichen. Er ist das Gebet der Menschen, die noch die Fähigkeit haben, von der äußeren Betriebsamkeit abzusehen und sich nach innen zu wenden. Wir leben in einer Zeit ständig wechselnder Eindrücke. Alles muss schneller und besser sein. Jeder soll wissen, dass mein Auto schneller ist als deins, meine Kinder erfolgreicher sind als deine, mein Haus größer ist als deins und mein neu gekaufter Pulli teurer war als deiner. Die Zeit für die kleinen und schönen Dinge des Lebens bleibt nicht. Es ist eine oberflächliche, unkonzentrierte und schnelle Zeit.

Und dann gibt es wenige Menschen, die unter der Hast des Alltags und dem ständigen Leistungsdruck der Welt Einkehr und Stille suchen und im Rosenkranzgebet ein Zuhause abseits dieser Welt finden. Welch ein Trost. Im Geheimen wünsche ich mir, sie beten für mich, für uns mit. Sie spüren in Ruhe die Geheimnisse des Lebens, der Hoffnung, auch des Leidens und des Trostes auf und kommen Jesus und seiner Mutter einen Schritt näher. Das ist für mich eine Gnade und eben jener Schritt zu inneren Ruhe und Zufriedenheit.

Mein Großer findet Rosenkranzbeten noch immer langweilig, ich nehme es ihm nicht übel. So lange er die kleinen Dinge im Leben nicht übersieht und sich Zeit für ein Innehalten nimmt, so lange bete ich für ihn mit. Ich gebe zu, auch ich bin keine Rosenkranzbeterin. Mein kanadischer Rosenkranz liegt neben meinem Rosenkranz, den ich zur Firmung geschenkt bekam. Und doch beruhigt es mich zu wissen, dass er da ist und dann kommt der Zeitpunkt wo ein „Gegrüßest seist du Maria“ der Anfang einer 20minütigen Auszeit von meiner Welt wird.

So eine ruhige und besinnliche Auszeit wünsche ich Ihnen im Rosenkranzmonat Oktober. Herzlichst,

Ihre
Anja Schmidt (Gemeindeassistentin)