Impuls

Wort zum Freitag 07.05.2021

Hört doch mal rein

„Der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen, als diese notwendigen Dinge.“, so wird uns die Tageslesung aus der Apostelgeschichte heute zusammengefasst. Wir stehen in der 5. Woche der Osterzeit und sind auf dem Weg hin nach  Pfingsten, dem Fest der Kraft des Heiligen Geistes. Dieses Fest hat mich als „leichtes“ Fest schon immer angesprochen, leicht deshalb, weil der Geist etwas Leichtes, Wehendes ist?! Vielleicht. Oder weil es ein „leichteres Fest“ ist nach Weihnachten und Ostern (Geburt, Tod und Auferstehung) ? – …  Vielleicht, weil es zu Pfingsten einfach auch schon wärmer ist und der nahende Sommer ein wenig Leichtigkeit vermittelt? Oder weil liturgisch gesehen auch einfach ein bisschen mehr Vielfalt möglich ist? Der Heilige Geist rüttelt auf, bringt auf den rechten Pfad, ist Bewegung, ist Sturm, ist Säuseln… Johann Sebastian Bach hat dem Heiligen Geist eine wunderbare große kunstvolle Motette gewidmet. Was ist eine Motette? Es sind ein- oder mehrsätzige Chorwerke auf Bibel-oder Liedtexte, deren Form im 16. Jahrhundert in der Kirchenmusik führend war. Zu Bachs Zeiten jedoch wird die Kantatenform, die er für jeden Sonntag vertont hat, zur führenden Form. Dennoch sind sieben Motetten nach diesem alten Kompositionsstil von J. S. Bach bekannt. „Singt dem Herrn ein neues Lied“, „O Jesu Christ, meins Lebens Licht“, „Jesu, meine Freude“, „Lobet den Herrn, alle Heiden“, „Komm, Jesu, komm“, „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir“ und „Der Geist hilft unserer Schwachheit auf“. Diese letzte Motette, die erstmals 1729 zur Beerdigung des Professors der Universität Leipzig und Rektors der Thomasschule Ernesti des Älteren gesungen wurde, enthält als Text eine Kombination aus den Episteln (Römer 8) und aus der dritten Strophe des Pfingstchorals: „Komm, Heilger Geist“ und ist doppelchörig angelegt, was bedeutet, dass zwei vierstimmige Chöre gleichzeitig singen und meist durch Instrumente verstärkt werden. Der traurige Anlass hat nur die Stimmung des kurzen Mittelteils beeinflusst, während das ganze Werk eine starke, fast frohe Zuversicht vermittelt, mit der Johann Sebastian Bach den „Heiligen Geist“ musikalisch belegt, was seinem festen Glauben und seiner Haltung zum Tod entsprach.  „Der Geist hilft unser Schwachheit auf, denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich‘s gebühret; sondern der Geist selbst vertritt uns aufs beste mit unaussprechlichem Seufzen. Der aber die Herzen forschet, der weiß, was des Geistes Sinn sei; denn er vertritt die Heiligen nach dem, das Gott gefället.

Komm Hl. Geist, süßer Trost, Du heilige Brunst, süßer Trost, nun hilf uns, fröhlich und getrost in deinem Dienst beständig bleiben, die Trübsal uns nicht abtreiben. O Herr, durch dein Kraft uns bereit und stärk des Fleisches Blödigkeit, daß wir hie ritterlich ringen, durch Tod und Leben zu dir dringen. Halleluja, halleluja.“ Der Text ist barock, und im Choral ist sicher die Textstelle „stärk des Fleisches Blödigkeit“ aus heutiger Sprachsicht lustig, aber selbst dies spricht mir nach meiner langen Bandscheibenproblematik aus voller Seele…  Bach nimmt mich hier immer auf einen rasanten Höhenflug mit, -  ich habe die Motetten schon als Jugendliche gerne gehört und heute empfinde ich sie immer noch als wunderbar kraftvoll. Das ist meine tiefste Glaubensüberzeugung: der Geist hilft meiner Schwachheit, meiner Unzulänglichkeit auf. Er ist unvermittelt da, wenn ich es gar nicht erwarte, und gibt mir Halt in allen schweren Zeiten.

In diesem Sinne wünsche ich uns dieses Bewusstsein um das Dasein des Heiligen Geistes...

Hört doch mal rein in die Fassung von Helmuth Rilling, die mich als Jugendliche begleitet hat: https://www.youtube.com/watch?v=xUSsCSyefyk

Ihre und Eure Sonja Schek, Kirchenmusikerin