Impuls

Wort zum Freitag, 07.01.2022 Hört doch mal rein.

Bild: Sonja Schek, Ausschnitt des Orgelspieltischs der Seifert Orgel in Salvator-Lichtenrade

Hört doch mal rein.

Ein neues Jahr hat begonnen! Was mir auf dem Herzen liegt, ist einfach: Jedem von Euch oder von Ihnen möchte ich den Segen zusprechen für diese neuen 365 Tage. Seid behütet, beschützt und getragen von Gott.

An Neujahr fuhr ich mit „Radio Paradiso“ im Auto zum Gottesdienst und hörte von der evangelischen Pfarrerin Johanna Friese in etwa folgenden Impuls: „Stellen Sie sich vor, Sie bekämen jeden Tag 86.400,- Euro geschenkt und dürften diese vollends ausgeben. Sie können nichts aufheben. Was am Abend nicht ausgegeben ist, ist weg. Aber am nächsten Tag bekommen Sie wieder das gleiche Geschenk und dürfen wieder die kompletten 86.400,- Euro ausgeben. Da wird einem erst einmal ein bisschen schwindlig vor der Summe und den Möglichkeiten, oder?

Nun der Clou: Gott schenkt uns jeden Tag 86.400 Sekunden Zeit – das sind 24 Stunden. Die, die wir nicht genutzt haben, sind weg. Aber jeden Tag bekommen wir dieses Geschenk der 86.400 Sekunden Zeit von Neuem. – Was fangen wir 2022 damit an? - Mögen wir diese Zeit sinnvoll und segensreich nutzen und einen Blick für das Wesentliche entwickeln. Mögen wir die „Zeitvernichtungsprogramme“ in unserem  Leben enttarnen und uns Dingen zuwenden, die fruchtbar sein können für uns und unsere Mitmenschen.

Deshalb ist mein ausgewähltes Musikstück heute der Aaronitische Segen. Ich mag diese doch eher alte Form der Sprache. Absolut nahe am hebräischen Urtext heißt es: Der HERR segne dich und behüte dich. Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der HERR erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Schutz – Gnade – Frieden… Der Aaronitische Segen ist ein Segensspruch aus der Tora. JHWH trägt hier den Wortlaut des Segens den Priestern der Nachkommen Aarons, des Bruders von Mose, auf. JHWH selbst ist Spender des Segens.

Was mich fasziniert, ist die Tatsache, dass dieser jüdische Segen seit über 2200 Jahre überliefert ist, von Martin Luther als Schlusssegen in der protestantischen Kirche eingeführt wurde und seitdem dort fest etabliert ist. Inzwischen ist er auch in der katholischen Kirche üblicher Bestandteil und somit ist er ein wunderbares Bindeglied zwischen Judentum und Christentum.

An dieser Stelle komme ich an John Rutter’s „The Lord bless you and keep you“ nicht vorbei, habe aber eine Fassung für einen großen texanischen Männerchor „Vocal Majority“ herausgesucht

https://www.youtube.com/watch?v=JbGlun3QBTc

Aber auch „The Blessing“ ist bei Youtube in beeindruckenden Besetzungen vorhanden und offenbar im englischsprachigen Raum sehr populär. Hier beginnt der Text zwar mit dem Aaronitischen Segen, wird aber danach fast wie in einer Litanei oder Meditation fortgesetzt, die immer eindringlicher wird: Der HERR segne dich und behüte dich, lasse sein Angesicht leuchten und sei gnädig mit dir. Sein Angesicht sei dir zugewandt. Friede mit dir. Amen. - SEINE Gunst sei immer mit dir und mit Tausenden derer nach dir, mit den Kindern deiner Kinder und den Kindern ihrer Kinder. Der HERR selbst sei immer mit dir, gehe vor dir und auch hinter dir. ER sei um dich und durchdringe dich. ER ist mit dir. ER ist mit dir. Jeden Morgen, jeden Abend, wenn du kommst und wenn du gehst und wenn du weinst und wenn du jubelst. ER ist für dich, ER ist für dich. ER ist für Dich. ER ist für dich. https://www.youtube.com/watch?v=PUtll3mNj5U

Euch und Ihnen wünsche ich in diesem tiefen Sinne jeden Tag 86.400 segensREICHE Sekunden und ein erfülltes, gesundes Jahr 2022.

Eure und Ihre Sonja Schek, Kirchenmusikerin