Impuls

Wort zum Freitag, 05.11.2021 Geduld

Bild: CANVA

Geduld

– ich bin wahrlich kein geduldiger Mensch. Im Gegenteil. Vieles möchte ich schnell hinter mich bringen, auf freudige Ereignisse kann ich ganz schlecht warten und manchmal muss eben alles schneller gehen. Geduld und Warten sind keine meiner Tugenden.

„Mach doch mal hin“ ist nicht nur etwas, was ich gern zu meinen Kindern am Morgen sage, sondern auch so ein innerer Antreiber für mich ist: mach schneller. Die Coronazeit hat mich entschleunigt. Tatsächlich habe ich diesen inneren Antreiber fast verloren gehabt. Langsam kehrt das Leben zurück und alles ist wieder wie „früher“. Und auch das stimmt so nicht. Das Leben kehrt nicht langsam zurück, sondern mit einer großen Flutwelle. Die Terminkalender füllen sich stetig und alles muss schnell wieder so sein wie vor der Pandemie. Die Gesellschaft scheint kollektiv davon betroffen zu sein möglichst schnell wieder alles zurück zu führen. Dabei sollten wir eigentlich gelernt haben, dass manche Dinge halt einfach ihre Zeit brauchen, die wir ihnen auch geben müssen. Unsere Gesellschaft und wir alle haben es uns zur Aufgabe gemacht, Zeit zu sparen und den Dingen eben keine Zeit zu gewähren. Und wir werden dabei super unterstützt. Die heutigen Technologien verkürzen Wartezeiten auf ein Minimum, denn in unserer schnelllebigen Zeit hat Warten absolut kein gutes Image. Geduld ist da fehl am Platz.

Ich merke, dass durch zunehmende Ungeduld die Lebensqualität sinkt. Es ist ja nicht nur meine Ungeduld, sondern auch die derer mit denen ich lebe, zusammen arbeite und Zeit verbringe. Denn allen, inklusive mir, mangelt es an Ausdauer und Toleranz. Konsequent geben wir schneller auf, wenn uns Hindernisse begegnen und werden ungehalten, wenn wir nicht gleich eine Antwort bekommen. Wir verfallen in einen kurzsichtigen Aktionismus, obwohl wir wissen, dass Dinge Zeit brauchen.

Wir gefährden uns dabei selbst. Wenn wir uns stetig unter Druck setzen, uns ohnmächtig erleben, weil uns scheinbar im Wartezimmer beim Arzt oder in der Warteschlange im Supermarkt die Zeit durch die Finger rinnt und unsere innere Anspannung ins schier Unermessliche steigt, schadet dass unserer körperlichen und psychischen Gesundheit. Und für die Heilung braucht es dann noch mehr Zeit.

Geduld bedeutet Akzeptanz. Sie ist verbunden mit Hoffnung und Zuversicht. Das Vertrauen in etwas zu setzen, dass Zeit braucht und das auch kommt, wenn wir auf die richtige Zeit warten und die Zeit uns nehmen zu warten. Es bedeutet eine Weitsicht zu haben, die uns wissen lässt, dass unsere Bedürfnisse in der Gegenwart zugunsten besserer Optionen in der Zukunft zurückgestellt werden können. Ich denke, das ist eine gute Wahl, vielleicht sogar eine bessere. Es heißt ja nicht, dass wir passiv daneben stehen und zuschauen. Es ist ein Geschehen-Lassen und ein Vertrauen, dass die getane Arbeit Früchte tragen wird.

Nach dem Schreiben dieses Impulses, gönne ich mir eine Pause. Einfach nichts tun und die Gelegenheit meine Fähigkeit zu trainieren geduldig zu sein. Ich wünsche Ihnen auch so eine Pause des Nichtstuns oder eine Pause von Ihrem Alltag, wie immer sie auch für Sie wertvoll sein kann.

Herzlichst, Ihre Anja Schmidt (Gemeindeassistentin)