Impuls

Wort zum Freitag, 02.12.2022 Seid wachsam!

Bild: canva.com

Da ist er nun, der in unserer Familie immer sehr ersehnte 1. Dezember. Denn dann wird das erste Weihnachtsgeheimnis gelüftet. Wie sieht mein Adventskalender wohl dieses Jahr aus? Für mich war es dieses Jahr schon anders. Mein Sohn wohnt nicht mehr bei uns, so musste ich einen Kalender basteln, der irgendwie in seine Wohnung passt und nicht in meine. Ich glaube, dass ist mir noch ganz gut geglückt. Einfacher war der Adventskalender für den Kleinsten. Irgendwas mit Harry Potter sollte es sein und mit „Mama, du bastelst aber trotzdem einen selber, oder?“ Es wurde ein Kalender mit 24 Bildern und kleinen Harry Potter Lego Überraschungen. Am schwersten war der für meine Tochter. Er musste irgendwie in ein Paket passen, nicht zerbrechlich sein und pünktlich zum 01.12. in Irland sein. Alle drei Kriterien konnte ich zum Glück erfüllen. Es ist eine schöne Tradition und fast noch sehnsüchtiger in unserem Haus erwartet als das Weihnachtsfest.

Was macht einen Adventskalender so besonders? Was ist das Spannende daran, ein Türchen zu öffnen? Ich glaube, es ist genau die Mischung aus Neugierde und aus Alt-Bekanntem. Letzten Sonntag sagte uns das Evangelium „Seid wachsam“. Das passt auch zu einem Adventskalender. Man muss schon auch ein bisschen wachsam beim Öffnen der Türchen sein, um sie nicht kaputt zu machen, um nicht den Inhalt zu verlieren oder auch um nicht das falsche Türchen aufzumachen. Was würde sein, wenn wir unsere alltäglichen großen Türen wie einen Adventskalender sehen? Zwar zählen wir mit den Türen auch die erwartete Ankunft des Herrn hier auf Erden, aber ich denke, er kommt ganz unvermutet durch die Hintertür. Ohne jede Ankündigung, ist er plötzlich da und erwartet, dass wir bereit sind. Seid wachsam – Seid bereit. Aber sei auch aufmerksam – denn er kann dich hinter jeder Tür ansprechen, als deine Nachbarin, als hilfesuchender Obdachloser, als ratsuchender Freund. Sei ebenso voller Achtsamkeit, denn so wie du auf seine Ankunft wartest, erwartet er schon längst deinen Besuch, im Krankenhaus oder in einer einsamen Wohnung. Er fordert dich heraus, wenn du die richtige Tür öffnest. Er erhofft deine Antwort auf Fragen, die du nie stellen würdest und er strapaziert deine Geduld, wenn du sie gerade nicht hast. Doch bleib bei allem liebevoll. Denn er wartet in jedem Menschen, hinter jeder Tür und in jeder Begegnung. Du kannst nie wissen, welche Tür es ist.

Seid wachsam – ER ist längst da, wir müssen ihn nur erkennen. Das bleibt das Spannende daran.

 

Ich wünsch Ihnen eine wachsame Weihnachtszeit und hin und wieder eine Tür, die sie glauben lässt.

Ihre Anja Schmidt (Gemeindereferentin)